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PRAYING MANTIS…..

Praying Mantis sind eine Band, die zusammen mit Gruppen wie Iron Maiden Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre zu den Pionieren der New Wave of British Heavy Metal (NWoBHM) gehörte. Mit weiteren bekannten Bands dieser Zeit spielte die Band auf großen Festivals und stand mit dem 1981er Debütalbum Time Tells No Lies kurz vor einem weltweiten Durchbruch. Aufgrund vertraglicher Probleme erschien das zweite Album jedoch erst zehn Jahre später – zu einer Zeit, in der andere Klänge, als der typisch-britische traditionelle Heavy-Metal-Stil der Band, die Musikwelt dominierten.

 

Geschichte

1972–1975: Die Anfänge

1972 baute Tino Troy (bürgerlich Constantino Neophytou) seine erste Gitarre in der Schule. Der Engländer fand später auf dem College einige Mitstreiter, so wie einen Proberaum. Mit seinen College-Freunden entschied sich Tino 1973 zur Gründung einer Band. Für diese fehlte allerdings immer noch der Bassist. So fragte Tino seinen Bruder Chris (bürgerlich Christakis Neophytou), der gerade die klassische spanische Gitarre lernte, ob er in seiner Band Bass spielen möchte. Chris, der bis dahin nie einen Bass gesehen hatte, lernte sehr schnell. Das Instrument bekam er von Tino, der seine selbstgebaute Gitarre in einen Bass umgebaut hatte, da er sich eine Gibson-SG-Gitarre gekauft hatte.

Sehr zum Vorteil gereichte der Band, dass der Vater von Pete Moore (Gitarre und Gesang) als Hausmeister an einer Schule arbeitete. So konnte Petes Vater der Band an Wochenenden einen Kohlenkeller für die Bandproben zur Verfügung stellen. Nachdem kurz darauf noch der Piano-Spieler Chris Hudson und der Schlagzeuger Gary Trotter hinzustießen, wählte man den Bandnamen Junction. Junction begannen mit Coverversionen von Status Quo und später auch Thin Lizzy, sowie Wishbone Ash.

Nach einer Weile war die Band nicht mehr mit dem Schlagzeugspiel von Gary Trotter zufrieden. Chris Hudson übernahm nun die Rolle des Schlagzeugers, wodurch das Piano wegfiel. Da Chris das Spielen sehr schnell lernte, konnte man bereits ein halbes Jahr später einen ersten Auftritt in der Heimatstadt London absolvieren.

1975 hörte Tino Troy an einem College Stan Cunningham singen. Innerhalb einer Woche gehörte Stan zur Band. Stan brachte eigene Texte mit in die Band und nur wenige Tage später hatte die Band bereits einige eigene Kompositionen. Zu der Zeit benannten sich Junction in Praying Mantis um, die erste Besetzung stand.

1975–1981: Die ersten Jahre

Nachdem Praying Mantis vor allem auf privaten Partys gespielt hatten, hatten sie 1975 in einem Londoner Pub ihren ersten richtigen Auftritt. Kurz darauf wurden sie jedoch von ihrem Sänger Stan Cunningham verlassen. Dieser zog zurück nach Wales, da er alle seine Kurse am College beendet hatte. Ein neuer Sänger wurde vorerst nicht gesucht, alle vier verbleibenden Bandmitglieder teilten sich den Gesang auf.

Bald darauf rekrutierte die Band Jeff Crook als Manager. Dieser verschaffte ihnen viele weitere Auftritte und eine Aufnahmesession in den First Light 8 Track Studios. Dort nahm man 1977 die Demo Captured City auf. Enthalten sind darauf die Klassiker Captured City, Johnny Cool und Lovers to the Grave.

Ende 1978 erzählte ein Freund Tino von dem HM Soundhouse in Kingsbury. Dort fragte die Band den DJ Neal Kay, ob er ihr Demo spielen würde. Kay nahm die Demoaufnahmen mit nach Hause, um sie sich anzuhören. In der folgenden Woche spielte er alle drei Lieder.

Anfang 1980 erschien die Compilation Metal for Muthas, an der viele aufstrebende Metal-Bands beteiligt waren. Neben zwei Liedern von Iron Maiden, war auch eine neue Aufnahme von Captured City von Praying Mantis zu hören. Die Besetzung der Band hatte sich mittlerweile leicht verändert. Dave Potts war der neue Schlagzeuger und Rob Angelo spielte nun die zweite Gitarre in der Band. Zusammen mit den Troy-Brüdern bestritten sie die erste Praying-Mantis-Tour: Die Metal for Muthas-Tour im Jahre 1980.

Nach erfolgreich absolvierter Tour war es nur noch eine Frage der Zeit, bis Praying Mantis die Gelegenheit bekamen ihr erstes Album aufzunehmen. Steve Carroll hatte derweil Rob Angelo ersetzt und war bereits am Songwriting der LP Time Tells No Lies beteiligt. Mitte 1981 erschien das Debüt und die Reaktionen der Metal-Fans waren das durchweg positiv. Praying Mantis standen kurz vor dem Durchbruch. Jedoch zeigten schon kleine Unglücke während der Aufnahmen von Time Tells No Lies, dass die Band nicht immer unter einem guten Stern stand. So sollte ursprünglich ein von Russ Ballard geschriebenes Lied aufgenommen werden. Dieses hatte den Titel I Surrender. Während der Aufnahme bekam die Band jedoch die Nachricht, dass die Band Rainbow zeitgleich dieses Stück aufnahm und es als ihre nächste Single in Planung hatte.

Dies sollte nicht das einzige Problem bleiben. Kurz nach Erscheinen des Debüts, kam es zu Problemen mit dem Management, der NWoBHM-Boom ging vorüber und Praying Mantis bekamen nicht die Chance ein zweites Album aufzunehmen. Die großen Bands, wie Def Leppard und Iron Maiden hatten sich durchgesetzt, Praying Mantis verschwanden kurz vor dem großen Durchbruch in der Versenkung.

1981–1990: Praying Mantis sind Geschichte

Die Gebrüder Troy feierten erst 1985 wieder ein Comeback, als sie zusammen mit dem ehemaligen Iron Maiden-Schlagzeuger Clive Burr, sowie Bernie Shaw (Gesang) und Alan Nelson (Keyboards) das Album Throwing Shapes veröffentlichten. Die neue Band nannte sich Stratus und war aus der 1983 gegründeten Band Escape entstanden, die es jedoch nur zu einigen Demo-Aufnahmen brachte.

Throwing Shapes von Stratus verkaufte sich vorwiegend in Japan gut. Ebenso wie bei Praying Mantis, war es auch Stratus nicht vergönnt ein zweites Album aufzunehmen. Gründe dafür waren die Verkaufszahlen, die hinter den Erwartungen zurückblieben, sowie die Mitglieder selbst, die kein Potential mehr in der Band sahen. Bernie Shaw stieg 1986 bei Uriah Heep ein, Chris Troy bemühte sich um seine Ingenieurskarriere und sein Bruder Tino war währenddessen in verschiedenen Bands aktiv und an einigen Projekten beteiligt. Für die Troy-Brüder kam der Stein erst 1990 wieder ins Rollen. Aufgrund einer Anfrage aus Japan, stellte man eine Art „All-Star-Gruppe“ aus Pionieren des NWoBHM zusammen. Tatsächlich befanden sich in dieser Band Tino und Chris Troy, Paul Di’Anno (ehemals u. a. bei Iron Maiden), Dennis Stratton (ehemals Iron Maiden und Lionheart), sowie der Schlagzeuger Bruce Bisland (ehemals bei Weapon und Wildfire), den Tino Troy in den Bands Paddy goes to Holyhead und The Wandering Crutchlees kennengelernt hatte.

Zusammen tourte die Band unter dem Banner „Praying Mantis & Paul Dianno, Dennis Stratton“ durch Japan, um dort das 10-jährige NWoBHM-Jubiläum zu feiern. Gespielt wurden dabei Lieder von den beiden ersten Iron-Maiden-Alben (Iron Maiden und Killers), sowie Praying-Mantis- und Lionheart-Material. Nach der Tour erschien ein Live-Album mit dem Titel Live at Last.

1990–2004: Später Ruhm

Nach der sehr erfolgreichen Japan-Tour wurde Praying Mantis ein neuer Plattenvertrag angeboten. Paul Di’ Anno verließ das Projekt, um mit seiner Band Killers zu arbeiten. Dennis Stratton und Bruce Bisland dagegen bildeten zusammen mit Chris und Tino Troy die neuen Praying Mantis.

1991, bereits ein Jahr nach der Japan-Tour, erschien das offiziell zweite Praying-Mantis-Album mit dem Titel Predator in Disguise. Stilistisch setzte die Band in etwa dort an, wo Time Tells No Lies aufgehört hatte, jedoch wurden durch den Gesang von Dennis Stratton auch neue Akzente gesetzt. Zudem wurden alte Ideen, wie z. B. bei dem Lied Time Slipping Away eingearbeitet. Eine weitere erfolgreiche Japan-Tour folgte.

1993 erschien A Cry for the new World. Für das Album nahm die Band einen neuen Sänger in ihre Reihen auf: Colin Peel. Dieser begleitete die Band jedoch nicht auf ihrer nachfolgenden Japan-Tour. Für ihn sprang Mark Thompson-Smith ein, der auch noch im selben Jahr die ausschließlich in Japan erschienene EP Only the Children Cry einsang. Auf dieser EP wurden abermals alte Liedideen verwendet.

Eine neue Version von Only the Children Cry war 1995 auf dem Album To the Power of Ten zu hören. Gary Barden (ehemals MSG und Statetrooper) war nun der neue Sänger und verlieh durch seine Beliebtheit der Band abermals einen „All-Star-Charakter“, der in Japan bei der folgenden Tour wieder bejubelt wurde. Das 1996er Konzert dieser Tour in Tokio wurde sowohl auf Video, als auch auf CD veröffentlicht. Bei der Veröffentlichung wurde zum wiederholten Male die Marktorientierung der Band deutlich: Das Album Captured Alive in Tokyo City erschien in Europa als einzelne CD, in Japan dagegen als komplettes Konzert auf zwei CDs.

Wie ein Fluch mag es erscheinen, dass Praying Mantis für ihre vier seit 1990 veröffentlichten Studio-CDs auch vier verschiedene Sänger hatten. Dies änderte sich auch mit der fünften Studio-Veröffentlichung nicht. Das 1998 erschienene Werk Forever in Time enthielt zwar noch eine Gary Barden-Komposition, wurde jedoch von Tony O’ Hora eingesungen. Der Erfolg konnte besonders in Japan weiter ausgebaut werden, aber auch in der englischen Heimat spielte die Band ab und zu.

Um die Wartezeit auf das nächste reguläre Album zu verkürzen, wurde 1999 die Doppel-CD-Compilation Demorabilia veröffentlicht, die Aufnahmen der Bands Escape, Stratus und Praying Mantis enthält. Viele der enthaltenen Lieder waren zu dem Zeitpunkt bereits durch einige Studioaufnahmen bekannt.

Im Jahre 2000 erschien dann das viel umjubelte Album Nowhere to Hide, das abermals eine qualitative Steigerung darstellte. Geradezu begeistert zeigte sich auf Chris Troy, der feststellen durfte, dass nun endlich ein zweites Album in der gleichen Besetzung aufgenommen wurde. Begleitet wurde das Erscheinen des Albums mit Auftritten in Japan, England und auch in Deutschland auf dem Wacken Open Air. An sämtlichen Orten konnten Praying Mantis begeistern und neue Fans für sich gewinnen.

Doch wie es die Geschichte und offenbar auch das Schicksal der Band wollte, stiegen Schlagzeuger Bruce Bisland und Sänger Tony O’ Hora kurz darauf aus der Band aus. Zum einen aufgrund musikalischer Differenzen, aber auch aus zeitlichen Gründen, denn beide Musiker spielten zusammen mit Andy Scott bei The Sweet.

Praying Mantis live beim Headbanger’s Open Air 2006

Doch auch dieser Besetzungswechsel wurde von der Band verkraftet. Zwar bestand die Band nach der Trennung offiziell nur noch aus Dennis Stratton, Chris und Tino Troy, jedoch konnte das nächste Album The Journey Goes On mit Gastmusikern, wie John Sloman eingespielt werden.

Allerdings investierten die Mitglieder anscheinend nicht mehr so viel Zeit in ihre Band. Eine Tour gab es nicht und auch ein neues Album war nicht in Aussicht. Stattdessen erschien 2004 ein Best-Of (The Best of Praying Mantis), das – wie vermutet – herausgebracht wurde, um bestehende Verträge zu erfüllen.

2005–heute: Der Stein rollt weiter

Erst Ende 2005 meldete sich die Band in neuer Besetzung zurück. Um das 25-jährige NWoBHM-Jubiläum zu feiern, spielten Praying Mantis zusammen mit Bands, wie Magnum in London. Dennis Stratton fiel aus gesundheitlichen Gründen aus. Dennoch resultierte aus dem erfolgreichen Auftritt ein neuer Plattenvertrag.

Auch in den folgenden Jahren spielten Praying Mantis zahlreiche Auftritte, u.a. in Griechenland und in Deutschland auf dem Headbanger’s Open Air. Im Sommer 2009 erschien schließlich das neue Studio-Album “Sanctuary”, das weltweit gute Kritiken bekam und auf das Auftritte in Japan, Großbritannien, Griechenland, Italien, Niederlande, Deutschland, Frankreich und Schweden folgten.

Diskografie

Chartplatzierungen
(vorläufig)
Erklärung der Daten
Alben
Time Tells No Lies
UK 60 11.04.1981 (2 Wo.) [3]
Singles
Cheated
UK 69 31.01.1981 (2 Wo.) [3]

Studioalben

  • 1981: Time tells no Lies
  • 1991: Predator in Disguise
  • 1993: A Cry for the new World
  • 1995: To the Power of ten
  • 1998: Forever in Time
  • 2000: Nowhere to hide
  • 2003: The Journey goes on
  • 2009: Sanctuary

Live-Alben

  • 1990: Live at Last (Live)
  • 1994: Play in the East (Live)
  • 1996: Captured alive in Tokyo City (Live – CD, 2xCD, VHS)
  • 2003: Captured alive in Tokyo City (Live – DVD)

Compilations

  • 1999: Demorabilia
  •  ????: Live + Singles
  •  ????: Cheated
  • 2004: The Best of Praying Mantis (Best-of)

Singles

  • 1977: Captured City (Demo)
  • 1980: Praying Mantis
  • 1980: All Day and all of the Night
  • 1981: Cheated
  • 1982: Turn the Tables
  • 1991: This Time Girl (Promo-CD)
  • 1993: Only the Children cry (EP)
  • 2010: Witch Hunt (Online-Single)
  • 2011: Metalmorphosis (EP)
  • 2011: Metalmorphosis — Japanese Edition (EP)

Auf Samplern

Aufgeführt sind nur relevante Compilations, die in den meisten Fällen Titel enthalten, die auf keinen regulären Veröffentlichungen der Band zu finden sind.

  • 1980: Captured City auf Metal for Muthas
  • 1980: Johnny Cool auf Metal Explosion from the Friday Rock Show
  • 1985: Top of the Mountain auf The Best of British Rock – A Rock Collection
  • 1999: A Question of Time, Panic in the Streets, Running for Tomorrow, 30 Pieces of Silver, Lovers to the Grave, Beads of Ebony, Flirting with Suicide und Children of the Earth auf Metal Crusade ‘99
  • 2000: Wacken 2000 Special Report (VHS/DVD, Live und Interview)
  • 2008: Children of the Earth und Turn the Tables auf Bang Your Head!!! 2007 (DVD)
  • 2009: Captured City, Children of the Earth und Panic in the Streets auf Headbangers Open Air 2008 (DVD)
  • 2012: Captured City, Can’t see the Angels und Turn the Tables auf Headbanger’s Open Air 2011 (DVD)

weitere Projekte

  • 1985: Stratus: Throwing Shapes (mit Chris und Tino Troy)
  • 1994: English Steel: Lucky Streak Vol. II (mit Tino Troy & Dennis Stratton)
  • 1991: All Stars Featuring the Best of British Heavy Metal & Heavy Rock Musicians (mit Tino Troy und Dennis Stratton)
  • 1999: Horakane: Eternal Infinity (mit Tony O’ Hora)
  • 2006: Tony O’Hora: Escape into the Sun
  • 2012: Backingvocals ShannoN (Love in your Eyes; Chris Troy, Tino Troy und Mike Freeland)