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SMALL FACES…..

Small Faces

Small Faces (auch The Small Faces) waren eine 1965 in London gegründete britische Rockband. Ursprünglich dem Rhythm and Blues und Soul verpflichtet, entwickelte sich der musikalische Schwerpunkt der Band hin zu einer Mischung aus Psychedelic Pop und Hard Rock. Das Gesamtwerk der Gruppe weist keinen großen Umfang auf, beinhaltet jedoch einige ausgesprochene Rock-Klassiker wie All Or Nothing, Tin Soldier, Itchycoo Park, Lazy Sunday oder Afterglow of Your Love.

 

Decca-Phase (1965–67)

Die Gründungsmitglieder, bestehend aus Sänger/Gitarrist Steve Marriott, Bassist Ronnie „Plonk“ Lane, Schlagzeuger Kenney Jones und Keyboarder Jimmy Winston, fanden sich 1965 zusammen und erregten durch ihren charismatischen Frontmann schnell Aufmerksamkeit in der Londoner Szene. Über ihren ersten Manager, Don Arden, kamen sie bei Decca Records unter und veröffentlichten im August 1965 ihre erste Single What’cha Gonna Do About It (mit dem Gitarrenriff von Solomon Burkes Everybody Needs Somebody to Love), die bis auf Platz 14 der britischen Charts vorstoßen konnte. Der im November veröffentlichte Nachfolger I’ve Got Mine brachte hingegen nicht den gewünschten Erfolg. Wegen ständiger Meinungsverschiedenheiten mit Marriott musste Winston die Band verlassen und wurde durch Ian McLagan ersetzt.

Die dritte Single Sha-La-La-La-Lee erschien im Januar 1966. Sie wurde von Kenny Lynch für die Band geschrieben und zu ihrem zweiten Chart-Erfolg. Im Verlauf des weiteren Jahres entwickelten sich die Small Faces zu Lieblingen der Mods. Im Mai erschien die Single Hey Girl, fünf Tage später gefolgt vom ersten Album Small Faces, auf dem teilweise noch Jimmy Winston zu hören war. Neben den ersten beiden Hits, rockigerem Band- und poppigerem Lynch-Material enthielt es eine Coverversion von Sam Cookes Shake. Das Stück You Need Loving plagiiert – wie später Led Zeppelins Whole Lotta Love – unverhohlen die von Willie Dixon geschriebene 1962er Muddy-Waters-Single You Need Love. Das Album kam auf Platz 3 der Charts und im August 1966 stieß die Single All Or Nothing bis zur Spitze vor.

Im November, rechtzeitig zu Weihnachten, erschien die mit ihren Anleihen bei Gloria in excelsis Deo passend festlich klingende Single My Mind’s Eye. Dabei handelte es sich allerdings um eine Demo-Aufnahme, die von Don Arden und Decca ohne Wissen der Band veröffentlicht wurde. Trotz guter Charts-Platzierung des Songs wechselte die Band daraufhin zum Label Immediate Records des ehemaligen Rolling-Stones-Managers Andrew Loog Oldham. Die erste für Immediate eingespielte Single I Can’t Make It wurde im März 1967 aus vertraglichen Gründen wiederum von Decca veröffentlicht und erreichte nicht die Top Twenty, da die Band sich jeglicher Promotion verweigerte. Ende Mai/Anfang Juni schob Decca noch den Single-Flop Patterns sowie ein zweites Album nach, das eine wilde Mischung aus Singles, Coversongs und ersten psychedelischen Versuchen bot und From the Beginning betitelt war.

Small Faces
Allgemeine Informationen
Genre(s) Rock
Gründung 1965
Auflösung 1969
Neugründung 1975
Aktuelle Besetzung
Gesang, E-Gitarre
Steve Marriott († 1991)
Bass
Ronnie Lane († 1997)
Keyboard
Ian McLagan
Schlagzeug
Kenney Jones
Ehemalige Mitglieder
Keyboard
Jimmy Winston (1965)

Immediate-Phase (1967–69)

Das „richtige“ zweite Album, wie der Erstling schlicht Small Faces betitelt, erschien einen Monat später, im Juli 1967, bei Immediate und enthielt ausnahmslos Eigenkompositionen von Marriott/Lane. Das gelungene Werk wurde im darauffolgenden Jahr als There Are But Four Small Faces auch in den USA veröffentlicht (wobei einige Stücke durch A- und B-Seiten von Singles ersetzt wurden) und steht bis heute im Schatten seines wesentlich bekannteren Nachfolgers. Es erreichte, wie auch die synchron zum Album erschienene Single Here Come the Nice, Platz 12 der britischen Charts. Weitere Single-Hits folgten im August mit Itchycoo Park und im Dezember mit Tin Soldier.

Im April 1968 wurde ein Song des bevorstehenden vierten Albums gegen den Willen der Band von Immediate als Single veröffentlicht: das eher als Gag gedachte Lazy Sunday wurde prompt zu einem ihrer größten Hits und inspirierte später Blur zum Song Parklife. Das dazugehörige Album erschien im Mai 1968 unter dem Titel Ogdens’ Nut Gone Flake und fiel bereits durch sein Rundcover in Form einer Tabaksdose auf. Die A-Seite bestand aus kürzeren Songs, während sich die Suite-artige B-Seite um ein von dem englischen Comedian Stanley Unwin (1911-2002) erzähltes Märchen rankte: Die Suche von Happiness Stan nach der anderen Hälfte des Mondes. Von der Musikkritik gelobt, belegte das Album sechs Wochen lang Platz 1 der Alben-Charts und wurde mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet.

Dieser Meilenstein für die Band wurde gleichzeitig zu einem Mühlstein, da die Musiker unfähig waren, das Werk adäquat auf die Bühne zu bringen. Zur Gänze wurde es nur ein einziges Mal aufgeführt, live im Studio für die BBC-Fernsehsendung Colour me Pop. Dazu kam, dass die im Juni nachgelegte Single The Universal einen enttäuschenden 16. Platz belegte und von der Kritik verrissen wurde. Marriott war zunehmend frustriert darüber, als Songschreiber nicht ernst genommen und ständig in die „Pop-Ecke“ eingeordnet zu werden sowie über das Unvermögen der Band, bei Konzerten auch anspruchsvolleres Material zu spielen.

Die Small Faces zerbrachen schließlich Anfang 1969, als sich Marriott dazu entschloss, Peter Framptons frischgegründeter Bluesrock-Band Humble Pie beizutreten. Als „Vermächtnis“ erschien im März 1969 die inoffizielle letzte Single Afterglow (Of Your Love) und im November die ebenso inoffizielle Zusammenstellung The Autumn Stone. Das Doppelalbum enthielt neben den Hits in neuen Abmischungen auch sieben neue, teilweise noch unfertig klingende Stücke sowie drei Live-Aufnahmen.

The Faces (1970–75)

Die verbliebenen drei Musiker rekrutierten als Marriott-Ersatz Sänger Rod Stewart und Gitarrist Ron Wood von der gerade aufgelösten ersten Jeff Beck Group. Sie machten als The Faces weiter, die letztlich zu einer besseren Begleitband Stewarts mutierten und sich 1975 auflösten. Ronnie Lane verließ die Band bereits 1973 und veröffentlichte mit seiner Band Slim Chance mehrere Singles und Alben, unter anderem auch den Song How Come, der 1974 Platz 11 in der UK-Hitparade erreichte.

Reunion (1976-78)

1975 lösten sich sowohl die Faces als auch (erstmals) Humble Pie auf. Im folgenden Jahr trafen die einstigen Small Faces-Mitglieder anlässlich von (Playback)-Video-Aufnahmen für das wiederveröffentlichte Itchycoo Park wieder zusammen, das auch prompt wieder in den Hitparaden erschien. Daraufhin beschlossen sie, erneut Songs aufzunehmen, doch schon während der ersten Probe verließ Lane das Projekt ohne Angabe von Gründen. Was niemand der anderen Mitglieder wusste: Ronnie Lane zeigte erste Symptome einer Multiplen Sklerose, die von seinen Kollegen fälschlicherweise als Folge von Alkoholkonsum interpretiert wurden. Daraufhin wurde Ex-Humble Pie- und Roxy Music-Bassist Rick Wills als Ersatz engagiert. Für Atlantic Records entstanden die beiden erfolglos gebliebenen Small-Faces-Alben Playmates (1977) und ’78 in the Shade (1978).

Aktivitäten seit 1979

Kenney Jones ersetzte 1979 den 1978 verstorbenen Keith Moon bei The Who und war bis Ende der 80er Jahre festes Mitglied der Band.

Ian McLagan wurde Session-Musiker und wirkte unter anderem bei Bonnie Raitt, den Rolling Stones und David Lindley mit.

Steve Marriott machte in den Jahren 1980 bis 1982 noch Aufnahmen mit den wiedervereinten Humble Pie. Als Solo-Künstler absolvierte er Ende der 80er Jahre annähernd 200 Konzerte pro Jahr. Am 20. April 1991 starb er 44-jährig im Schlaf bei einem durch eine Zigarette selbst verursachten Schwelbrand in seinem Landhaus in Essex, England.

Ronnie Lanes weiterer Werdegang wurde stark durch seine Krankheit beeinflusst. Nach einem fast zwanzig Jahre währenden Kampf gegen die MS starb er am 4. Juni 1997 im Alter von 51 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung.

Diskografie

Alben

Decca:

  • 1966 – Small Faces
  • 1967 – From the Beginning

Immediate:

  • 1967 – Small Faces
  • 1968 – There Are But Four Small Faces (=US-Version)
  • 1968 – Ogdens’ Nut Gone Flake
  • 1969 – The Autumn Stone

Atlantic:

  • 1977 – Playmates
  • 1978 – ’78 in the Shade

Singles

  • 1965 – Whatcha Gonna Do About It
  • 1965 – I’ve Got Mine
  • 1966 – Sha La La La Lee
  • 1966 – Hey Girl
  • 1966 – All Or Nothing
  • 1966 – My Mind’s Eye
  • 1967 – I Can’t Make It
  • 1967 – Patterns
  • 1967 – Here Come the Nice
  • 1967 – Itchycoo Park
  • 1967 – Tin Soldier
  • 1968 – Lazy Sunday
  • 1968 – Universal
  • 1969 – Afterglow of Your Love
  • 1975 – Itchycoo Park (Wiederveröffentlichung)
  • 1976 – Lazy Sunday (Wiederveröffentlichung)

Coverversionen anderer Bands

  • Screaming Trees: Song of a Baker
  • Sex Pistols: Watcha Gonna Do ’Bout It
  • Pretenders: Watcha Gonna Do ’Bout It
  • The Jam: Get Yourself Together
  • Uriah Heep: Tin Soldier
  • Lou Gramm: Tin Soldier
  • Great White: Afterglow
  • Thunder: Lazy Sunday
  • Toy Dolls: Lazy Sunday
  • Brian May: Rollin’ Over
  • Gumball: Have You Ever Seen Me
  • The Dogs D’Amour: All Or Nothing
  • The Lords of the New Church: All Or Nothing 
  • M People: Itchycoo Park
  • Cock Sparrer: Watcha Gonna Do ’Bout It
  • Ocean Colour Scene: Song Of A Baker
  • Primal Scream feat. P.P. Arnold: Understanding
  • The Libertines : Lazy Sunday
  • Blue Murder : Itchycoo Park