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David Bowie

David Bowie

David Bowie (* 8. Januar 1947 in London, bürgerlich David Robert Haywood Jones) ist ein britischer Musiker, Sänger, Produzent, Schauspieler und Maler. Bowie gilt als einer der einflussreichsten Popkünstler der jüngeren Musikgeschichte. Weltweit hat er über 140 Millionen Tonträger verkauft.

David Bowie wurde 1947 unter seinem Geburtsnamen David Robert Jones als Sohn von Haywood Stenton Jones, genannt „John“ und Margaret „Peggy“ Mary Burns im Londoner Stadtteil Brixton geboren. Die Eltern hatten während der Kriegsjahre ein unruhiges Leben geführt, beide hatten bereits Kinder, suchten aber nun, mit Mitte 30, nach Ruhe. Die Familie lebte hier in einfachen, aber gesicherten Verhältnissen. Das Klima in der Familie war von Schweigsamkeit geprägt. Bowie sagte 1993 in einem Interview: „Meine Kindheit war nicht glücklich. Nicht, dass es brutal zugegangen wäre, aber ich hatte eine ganz bestimmte Art britischer Eltern: Sie waren ziemlich unterkühlt, und man nahm sich nicht oft in den Arm“. David war ein schüchternes und höfliches Kind.

Ab dem Anfang der 1950er Jahre erlebte die Familie einen sozialen Aufstieg. Im Winter 1953 zog die Familie in den Mittelklasse-Vorort Bromley, hier wuchs David von nun an auf. Beeindruckend war für ihn die Anschaffung eines Fernsehers. Auch er selbst wurde zum Gegenstand des Statusstrebens der Eltern, auf seine ordentliche Kleidung und ein adrettes Äußeres wurde sehr viel Wert gelegt. Eine besondere Bindung hatte David zu seinem älteren Halbbruder Terry, dem Sohn seiner Mutter, der ebenfalls im Haus lebte. Beide Kinder waren einander eng verbunden. Terry liebte seinen kleinen Bruder, David wiederum verehrte den älteren, emotionalen und rebellischen Terry. Beide Kinder wurden aber von den Eltern sehr unterschiedlich behandelt. Während David verwöhnt wurde, wurde Terry meist nur mit kühler Freundlichkeit behandelt und oft ignoriert.

Erste Schritte

Im Alter von neun Jahren begegnete David dem Rock ’n’ Roll, ausgelöst durch seinen Vater, der ihm die ersten Singles schenkte. Über die erste dieser Singles, Little Richards Tutti Frutti, sagte er später: „Ich hatte Gott gehört”. Neben seinen Eltern förderte sein Bruder Terry das in David ausgelöste Interesse weiter, indem er ihn mit US-Beat-Poeten und dem Jazz bekanntmachte. Terry nahm den damals 13-jährigen mit zu Konzerten im Londoner Unterhaltungsviertel Soho. 1962, im Alter von 15 Jahren, sang Bowie unter dem Künstlernamen Dave Jay in der Gruppe The Kon-Rads und spielte dort auch Saxophon. Die Band nahm im August 1963 für Decca eine von Bowie mitkomponierte Single mit dem Titel I Never Dreamed auf, das Lied blieb jedoch erfolglos und Bowie verließ die Gruppe. 1964 nahm er seine erste eigene Single Liza Jane auf, die ebenfalls keinen Erfolg hatte. Über die 1960er-Jahre sammelte er Erfahrungen als Sänger und Musiker in verschiedenen weiteren Bands wie den Manish Boys oder den Lower Third, die alle keine größere Bekanntheit erlangten. 1967 arbeitete er mit dem britischen Pantomimen Lindsay Kemp zusammen, dessen Einfluss sich in den folgenden Jahren in Bowies Bühnenshows zeigen sollte. Der schüchterne Bowie begann durch diese Erfahrungen sehr vielseitige Ausdrucksweisen zu entwickeln, welche im Verlauf seiner weiteren Karriere in verschiedenen Images und Outfits kulminierten, zum Beispiel in den Figuren Major Tom, dem Außerirdischen Ziggy Stardust, Aladdin Sane, dem Thin White Duke (Album Station to Station) oder Nathan Adler (Album 1. Outside).

Sein 1967 erschienenes Debütalbum David Bowie enthielt teilweise Songs, die von Musicals inspiriert waren, sowie Folksongs und Balladen, unter anderem die Titel Please Mr. Gravedigger und The Laughing Gnome. Es war kommerziell nicht erfolgreich, so dass David Bowie, wie er sich nun nannte, sein Konzept änderte. Starthilfe bekam er von seinem späteren Produzenten Tony Visconti, den er Ende 1967 kennenlernte, welcher auch für seinen Freund Marc Bolan arbeitete. Anfang 1969 wurde ein halbstündiger Promotion-Film mit dem Titel Love You Till Tuesday gedreht. Dabei wurden einige Lieder des ersten Albums und einige neue Kompositionen in Szene gesetzt. Eine dieser Neukompositionen, die als letztes ins Set aufgenommen wurde, war die Weltraumballade Space Oddity. Bowie wurde dazu vom Stanley-Kubrick-Film 2001: Odyssee im Weltraum inspiriert und beschreibt darin den Start der Rakete des fiktiven Astronauten Major Tom, dessen Gefühle alleine im Weltall und die Kommunikation mit der Bodenstation, die am Ende des Liedes plötzlich abbricht. Zehn Jahre später im Lied Ashes to Ashes entlarvt Bowie Major Tom als Junkie, was den Weltraum-Trip und die Gefühle in Major Tom als Drogentrip und Halluzinationen eines Drogensüchtigen erscheinen lässt.

Im November 1969 erschien das zweite Album – in den Vereinigten Staaten mit dem Titel Man of Words, Man of Music und in Großbritannien als David Bowie (auch Titel des ersten Albums). 1972 wurde es von RCA Records unter dem Titel Space Oddity und neuem Cover wiederveröffentlicht. Das Album enthält eine Neuaufnahme von Space Oddity, die auch als Single veröffentlicht und Bowies erster echter kommerzieller Erfolg wurde. Es erreichte in Großbritannien Platz sechs der Verkaufscharts und hielt sich vier Wochen in den Top-Ten, bei einer erneuten Veröffentlichung erreichte der Titel 1975 sogar den ersten Platz. Das von Gus Dudgeon produzierte Lied fiel mit seinem Novelty-Song-Charakter aus dem Gesamtalbum heraus. Dies war insgesamt von Folk-Musik, Bowies Stimme und seiner zwölfsaitigen Gitarre bestimmt und bis auf den Titelsong von Visconti produziert. Es wurde bis auf die Single kein kommerzieller Erfolg.

Anfang 1970 nahm Bowie zusammen mit Marc Bolan zwei neue Songs auf: The Prettiest Star, das auch als Single erschien, und London by Ta Ta. Im Mai erschien eine Neuaufnahme von Memory of a Free Festival als Single. Obwohl diese Single ebenfalls erfolglos blieb, ist sie historisch interessant, da hier zum ersten Mal der Gitarrist Mick Ronson auf einer Studioaufnahme zu hören ist. Bis 1973 blieb er Bowies musikalischer Begleiter. Bowie, Ronson, Visconti am Bass und John Cambridge am Schlagzeug traten ab Anfang 1970 kurzzeitig unter dem Bandnamen The Hype auf. Mit dieser Band probierte Bowie ein neues Bühnenkonzept, indem sie mit Kostümen arbeiteten und Mittel des Theaters einbauten. So verkleidete sich Bowie als „Rainbow Man“, Visconti als „Hype Man“, Ronson als „Gangsterman“ und Cambridge als „Pirate Man“.

1971 erschien eine weitere erfolglose Single (Holy Holy) und Bowies drittes Album mit dem Titel The Man Who Sold the World, das erneut von Visconti produziert wurde. Musikalisch lehnte es sich an das an, was man damals unter Hard Rock verstand, und war stark durch Ronsons Gitarrenspiel geprägt. In den Texten bezog sich Bowie auf Science-Fiction, Buddhismus und Mystik. Auf dem Cover zeigte sich Bowie in einem Kleid, wodurch er bewusst ein androgynes Image etablierte, das für seine Auftritte in den frühen 1970er-Jahren prägend wurde. 1972 wurde The Man Who Sold the World von RCA mit neuem (weniger kontroversem) Cover wiederveröffentlicht. Insgesamt war das Album jedoch kommerziell wenig erfolgreich. Der Titelsong wurde in den späteren Jahren mehrmals gecovert, so von Lulu und Nirvana.

Mit Hunky Dory folgte 1971 ein weiteres Album. Als Keyboarder war hier Rick Wakeman zu hören, der später mit Yes bekannt wurde. Zudem spielten alle Mitglieder der kommenden Begleitband von Ziggy Stardust „The Spiders from Mars“ mit Mick Ronson (Gitarre), Mick (Woody) Woodmansey (Schlagzeug) und Trevor Bolder (Bass). Es war Bowies Debütalbum für die Plattenfirma RCA Records, an die ihn sein neuer Manager Tony DeFries vermittelt hatte. Es enthält unter anderem einen der bekanntesten Bowie-Songs, Changes, und die Ballade Life on Mars?, nach der 2006 eine Fernsehserie benannt wurde. Auch Bowies Beschäftigung mit der aktuellen Musik- und Kunstszene der USA schlug sich auf diesem Album in Referenzen an Bob Dylan, The Velvet Underground und Andy Warhol nieder. Nach eigener Aussage erhielt Bowie für dieses Album zum ersten Mal breitere künstlerische Anerkennung, mit den nächsten Alben wurde er zur Ikone des Glam Rock.

1972 gelang Bowie der kommerzielle Durchbruch: Mit dem Album The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars und der anschließenden Welttournee, die bis 1973 dauerte, wurde er weltweit bekannt. Ein Grund dafür war die „Erfindung“ seines Aufsehen erregenden Alter Egos Ziggy Stardust, dessen Aufstieg und Fall in einer dem Untergang geweihten Welt erzählt wird. Ein weiterer Grund war seine theatralische Bühnenshow mit ihren provozierenden homoerotischen Momenten. Dieses damals skandalöse Spiel mit der Homosexualität feuerte Bowie zusätzlich an, indem er sich in einem Interview als „schwul“ outete, obwohl er nicht nur seit zwei Jahren mit Angela Barnett verheiratet war, sondern auch der gemeinsame Sohn Duncan Zowie Hayword Jones, den Bowie später alleine erzog, bald ein Jahr alt wurde.

Ende 1972 konnte Bowie mit The Jean Genie einen Top-Ten-Hit in seinem Heimatland verzeichnen. Bei seinem Album Aladdin Sane arbeitete erstmals der Pianist Mike Garson mit, der Bowie bis heute begleitet. Für das Album trafen in England über 100.000 Vorbestellungen ein, eine Zahl, die bis dahin nur die Beatles erreicht hatten. Am 3. Juli 1973 ließ Bowie Ziggy Stardust im letzten Konzert seiner Welttournee in London „sterben“ (My Death – Jacques Brel), bevor er zum letzten Mal mit seiner Band Rock ’n’ Roll Suicide intonierte.

In dieser Zeit wirkte Bowie auch als Produzent und Förderer anderer Musiker; so produzierte er unter anderem Lou Reeds zweites Soloalbum (Transformer, 1972, bekanntestes Lied Walk on the Wild Side), schrieb für die Band Mott the Hoople einen kommerziell erfolgreichen Song (All the Young Dudes, 1972) und produzierte deren gleichnamiges Album wie auch ein Iggy-Pop-/The-Stooges-Album (Raw Power, 1973). 1973 nahm Bowie zudem das Album Pin Ups auf, das nur Coverversionen aus den 60ern enthält.

Das Konzeptalbum Diamond Dogs (1974), das in weiten Teilen auf George Orwells Dystopie 1984 basierte, nahm Bowie ohne seine bisherige Begleitband „The Spiders from Mars“ und seinen langjährigen Wegbegleiter, den Lead-Gitarristen Mick Ronson, auf. Bowie zerstritt sich während der US-Tournee mit seinem Manager DeFries und blieb auf einem Schuldenberg sitzen.

Beeinflusst durch seinen Umzug nach New York entstand 1975 das Album Young Americans, ein musikalischer Neuanfang, in dem sich Bowie mit der Musik befasste, die ihn als jungen Mann prägte, nämlich Rhythm and Blues und Soul; er selbst nannte seine Musik ironisch „Plasticsoul“. Bowie trat zu dieser Zeit im Maßanzug auf; ein weiterer Imagewechsel des Künstlers. Auf dem Album enthalten ist Bowies erster Nummer-eins-Hit in den Vereinigten Staaten, Fame. Dieser Song, den Bowie zusammen mit John Lennon in einer Session in den „Electric Lady Studios“ in New York aufnahm, war ursprünglich gar nicht zur Veröffentlichung vorgesehen.

Im Anschluss an die Albumproduktion übernahm David Bowie die Hauptrolle in dem Science-Fiction-Film The Man Who Fell to Earth von Nicolas Roeg. Danach produzierte er in Los Angeles das Album Station to Station, das Anfang 1976 erschien. Nach der „White-Light Tour“ 1976 zog der Musiker zurück nach Europa. Er ging zunächst in die Schweiz und nach den Aufnahmen für das Album Low in Frankreich nach Berlin.

Von 1976 bis 1978 wohnte Bowie in West-Berlin (Schöneberg) in einer Zweizimmer-Altbauwohnung. In späteren Interviews, unter anderen bei einer Reportage des deutsch-französischen Fernsehsender ARTE, bezeichnete er West-Berlin auch als damalige „Welthauptstadt des Heroins“.

In den Berliner Hansa-Studios wurde das mit Brian Eno und Tony Visconti eingespielte Album Low aufgenommen, das den ersten Teil der sogenannten Berlin-Trilogie darstellt. Bowie war von deutschen Bands wie Kraftwerk, Cluster, Can oder Neu!, aber auch von Steve Reich beeinflusst. Von Anfang an waren die Alben als Experiment geplant, bei denen es nicht um Verkaufszahlen gehen sollte. Dementsprechend war die ausgekoppelte Hitsingle “Sound and vision” auch kein Charterfolg.

Während die erste Seite (LP) von “Low” eher aus Songfragmenten besteht, als aus ausformulierten Liedern, überraschte die zweite Seite damit, fast ausschließlich aus Instrumentalstücken zu bestehen, wie auch beim Nachfolger “Heroes”, der wenige Monate später ebenfalls in Berlin aufgenommen wurde.

Heroes enthält mit dem gleichnamigen Titelstück eines der bekanntesten Lieder Bowies, das mehrsprachig in Französisch/Englisch und Deutsch/Englisch aufgenommen wurde. Der Text des Liedes handelt von zwei Liebenden, die sich an einer Mauer küssen. Bowie verarbeitet im Song sowohl eigene Beobachtungen, die er in Berlin gemacht hat, als auch Eindrücke des Expressionismus der 1920er Jahre (hier das Gemälde von Otto Mueller Liebespaar zwischen Gartenmauern von 1916).

Mit Iggy Pop, der mit Bowie nach Berlin kam und im selben Haus eine Nachbarwohnung bezog, nahm Bowie in Berlin ebenfalls die Alben The Idiot und Lust for Life auf, deren Musik größtenteils von ihm geschrieben wurde, und ging als Keyboarder mit Iggy Pop auf Tournee. In den Jahren in Berlin drehte er außerdem den Film Schöner Gigolo, armer Gigolo, ein eher unbekanntes Werk der Filmgeschichte, gleichwohl der letzte Film von Marlene Dietrich.

1978 ging Bowie wieder auf Tournee und nahm unter anderem das Kindermärchen Peter und der Wolf mit dem Philadelphia Orchestra auf. Im selben Jahr wurde das Live-Album Stage veröffentlicht, und Bowie zog in die Schweiz.

Bowie und Eno nahmen 1979 ihr drittes sogenanntes Berliner Album Lodger im Mountain Studio in Montreux, nahe Bowies damaliger Residenz, auf. Es wurde in New York gemixt und lieferte mit den Singles Boys Keep Swinging und DJ kleinere Erfolge in den Charts, besonders in England.

Das neue Jahrzehnt begann für David Bowie nach der Scheidung von Angela Barnett und dem alleinigen Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn mit seinem Broadway-Debüt in dem Stück The Elephant Man, in dem er als Schauspieler von Kritikern gelobt wurde. 1980 hatte Bowie mit dem Album Scary Monsters, dem bis 2002 letzten von Tony Visconti produzierten Album, und dessen Singleauskopplung Ashes to Ashes Erfolg.

1981 war er in einem Cameo-Auftritt in dem Film Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo bei einem Konzert in der Deutschlandhalle zu sehen. Der Soundtrack besteht ausschließlich aus Liedern von David Bowie, einschließlich des Titelsongs Heroes.

Mit Queen nahm Bowie 1981 den Song Under Pressure auf. Der Song entstand in einer sechsstündigen Session und wurde Nummer eins in Großbritannien.

1982 spielte Bowie neben Catherine Deneuve und Susan Sarandon in dem Film Begierde von Tony Scott mit und es erschien das zweite Best-of-Album ChangesTwoBowie.

1983 veröffentlichte er sein erstes Album für sein neues Label EMI, Let’s Dance. Es wurde von Nile Rodgers produziert. Es war massentauglich angelegt und gemeinsam mit der darauffolgenden Serious Moonlight-Tour mit Abstand der größte kommerzielle Erfolg, den Bowie je hatte.

Die Single Let’s Dance schaffte es in den Vereinigten Staaten auf Platz eins und hielt sich dort neben so erfolgreichen Singles wie Michael Jacksons Billie Jean. Auch weitere Songs des Albums, wie etwa China Girl, konnten sich oben in den Charts platzieren. Die Tour führte Bowie und seine Mitarbeiter von Mai 1983 bis Dezember einmal um die ganze Welt. David Bowie stand jetzt nicht mehr für außergewöhnliche Musik mit experimentellen Eigenheiten, sondern auch für publikumsfreundlichen Pop.

Nach Let’s Dance folgte jedoch eine innere Schaffenskrise nach dem Abebben des ersten Massenerfolgs. Die folgenden Alben Tonight (1984) und Never Let Me Down (1987) wurden von den Kritikern zerrissen und gelten bis heute als seine schlechtesten. Trotz späterer abfälliger Bemerkungen Bowies über seine eigene Schaffensperiode zwischen 1984 und 1987 fallen in diese Zeit relativ erfolgreiche Titel wie This Is Not America (mit Pat Metheny), die Single Absolute Beginners aus dem Soundtrack zum gleichnamigen Film, die Filmmusik zu Labyrinth (in dem er eine Hauptrolle spielte) und der epische Titelsong zu When The Wind Blows.

Neufindung

Nach dem kommerziellen und künstlerischen Misserfolg des Albums Never Let Me Down von 1987 tauchte Bowie zwei Jahre später mit dem Tin-Machine-Projekt wieder auf. Tin Machine war die Band um Reeves Gabrels und die Brüder Hunt und Tony Sales, mit denen Bowie 1977 die Iggy-Pop-Platte Lust For Life als Produzent und Co-Autor eingespielt hatte. Bowie bestand darauf, nur „ein Bandmitglied unter vielen“ zu sein, und lehnte jede Sonderrolle ab. 1991 folgte Tin Machine II und eine mäßig erfolgreiche Single, You Belong in Rock ’n’ Roll.

Dieses Projekt fand 1993 mit dem Solo-Album Black Tie, White Noise (wiederum von Nile Rodgers produziert) ein Ende. Künstlerisch insgesamt wenig innovativ und kommerziell aufgrund von Vertriebsproblemen vor allem in den USA gescheitert, markierte es seiner Meinung nach die Überwindung der Schaffenskrise in den 1980er-Jahren. Die 1992 erfolgte Heirat mit Iman Abdulmajid, weltweit bekanntes Fotomodell und Schauspielerin aus Somalia, prägte die musikalische Stimmung des Werkes.

Ein künstlerisch überzeugenderes Lebenszeichen war demgegenüber sein Album zur Verfilmung von Hanif Kureishis The Buddha of Suburbia, irreführend als Soundtrack bezeichnet und vertrieben.

Das im September 1995 erschienene, wiederum mit Brian Eno produzierte, sehr vielschichtige und experimentierfreudige Album 1. Outside war, trotz einiger positiver (und vieler irritierter) Kritiken, kommerziell ebenfalls nicht erfolgreich. Bei der anschließenden, mit 100 Konzerten weltumspannenden, Outside-Tour standen Bowie mit Placebo in Europa und Nine Inch Nails in den Vereinigten Staaten bekannte Bands als Vorprogramm zur Verfügung.

Darauf folgte mit Earthling von 1997 eine Arbeit, die einerseits den Schaffensdrang Bowies erneut bestätigte und starke Einflüsse des Drum ’n’ Bass aufweist. Künstlerisch wie kommerziell vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit erzeugte das Nachfolgealbum Hours… (1999), in dem sich Bowie wieder einfacheren Songstrukturen zuwandte.

2002 brachte mit Heathen die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Tony Visconti. Künstlerisch wie kommerziell (vor allem auch in Deutschland) fügte sich das Album für einen Teil der Fans an klassische Bowie-Werke und wurde zum Teil auch von Kritikern und Fans als Comeback angesehen.

2003 erschien, wiederum von Tony Visconti produziert, das Album Reality mit den Singleauskopplungen New Killer Star und Never Get Old.

Im Vorfeld seiner Veröffentlichung, am 8. September 2003, schrieb Bowie Musik- und Technologie-Geschichte: An diesem Tag wurde sein neues Studioalbum in Kinos auf der ganzen Welt live und interaktiv präsentiert. Eine eigens für diesen Anlass produzierte Live-Show wurde per Satellit in die Lichtspielhäuser gesendet. Die Show wurde in alle teilnehmenden europäischen Kinos gleichzeitig übertragen und – bedingt durch den Zeitunterschied – einen Tag später in Asien, Japan und Australien, sowie Nordamerika, Kanada und Südamerika. Die Show wurde im digitalen Breitbildformat gefilmt, der Ton im DTS-5.1-Surround-Sound aufgezeichnet und den Kinos komplett digital übermittelt. Damit stellte das Verfahren den bis dato umfassendsten und innovativsten Einsatz von Digitaltechnik in Kinos dar.

Mit der „A Reality Tour“ ging Bowie auf eine der längsten Welttourneen seiner Karriere, die er kurz vor ihrem Ende wegen eines Herzinfarkts im Sommer 2004 in Deutschland auf dem Hurricane-Festival abbrechen musste. Nach seiner Genesung trat Bowie neben Gastauftritten bei Konzerten von Arcade Fire und David Gilmour zuletzt im Mai 2007 als Kurator des Highline-Musikfestivals in New York in Erscheinung.

Stil

David Bowie hat sich Zeit seines künstlerischen Schaffens von vielfältigen Einflüssen westlicher, aber auch außerwestlicher Kultur inspirieren lassen – sowohl in Bezug auf Image als auch Musik.

Zu Beginn seiner Karriere orientierte er sich vor allem an moderner Beatmusik, aber auch der britischen Tradition des Novelty-Songs. Zudem interessierte er sich für die US-amerikanische Avantgarde-Band The Velvet Underground und die Proto-Punk-Band The Stooges aus Detroit.

Durch Lindsay Kemp wurde er mit einer bestimmten Schule der Pantomime bekannt, die unter anderem auch Bezüge zum japanischen Kabuki-Theater hatte. Elemente aus diesem benutzte er in den 1970er-Jahren immer wieder für seine Bühnenshow. Ebenfalls fasziniert ist er von der Ästhetik der Transvestiten und der homosexuellen Avantgarde, besonders in der New Yorker Subkultur. Zunächst orientierte er sich an der Ästhetik von Charakteren aus dem Umfeld von Andy Warhol, an denen er seine Figur Ziggy Stardust formte. Später, 1979, förderte er die Karriere von Klaus Nomi, indem er in einer großen US-amerikanischen Fernsehshow gemeinsam mit dem bis dahin nur in Insiderkreisen bekannten Sänger auftrat.

Mit seinem Umzug in die Vereinigten Staaten 1973 begann er sich verstärkt für Soul-Musik zu interessieren, besonders für die Stilrichtung, die aus Philadelphia kam und als Phillysound bezeichnet wird. Dieser Einfluss wurde zuerst auf dem Album Diamond Dogs hörbar und prägt das Album Young Americans (1975). Spätestens seit 1974 entwickelte er auch ein starkes Interesse an deutscher elektronischer Musik von Kraftwerk und Neu! und der Musik von Steve Reich. Dieses spiegelte sich zunächst auf dem Album Station to Station wider, und kommt in der so genannten Berlin-Trilogie voll zur Geltung, die im Zusammenwirken mit Brian Eno wegweisend für die weitere Entwicklung der elektronischen Musik wurde.

In den 1980er-Jahren orientierte er sich vor allem an aktueller Popmusik, in den 1990er-Jahren nahm er Einflüsse von Drum ’n’ Bass auf.

Seine Wandelbarkeit brachte Bowie den Spitznamen „Chamäleon des Pop“ ein. Dieses konterte er allerdings mit der Aussage, dass ein Chamäleon sich der Umgebung anpasse, während er überwiegend das Gegenteil getan hätte. Häufig wurde ihm vorgeworfen, er würde plagiieren. Wohlmeinende Kritiker halten ihm jedoch zugute, dass er die verschiedenen Einflüsse zu einem eigenen Ganzen zusammenfüge und zudem noch dazu beitrage, weniger bekannte, subkulturelle Kunst- und Kulturformen einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Zudem berufen sich wieder unzählige jüngere Künstler auf ihn und seinen Einfluss auf ihre Musik und ihr Image.

Wirkung

David Bowie wird als einer der einflussreichsten Künstler – und bis Anfang der 1980er-Jahre auch Vorreiter – seiner Zeit im Bereich zeitgenössischer populärer Musik angesehen. Dies ist auf seine über Jahrzehnte gegebene Schaffenskraft mit großer musikalischer Bandbreite (Rock mit Ziggy Stardust und Diamond Dogs, Jazz-Stilelementen mit Aladdin Sane, Soul mit Young Americans und Black Tie, White Noise, elektronisch konzertant mit Low – wie Heroes sinfonisch vertont durch Philip Glass – und 1. Outside) zurückzuführen.

Image

Die stärkste kulturelle Wirkung erzielte Bowie mit seiner Kunstfigur Ziggy Stardust. Deren Image beeinflusste Punk-, Independent- und New-Romantic-Musiker von Steve Strange bis Morrissey. Madonna gibt an, dass ein von ihr im Alter von 14 Jahren besuchtes Ziggy-Stardust-Konzert ihr Leben veränderte.

Im Zusammenhang mit dem Album Station to Station verwandelte sich Bowie 1976 in eine weitere Kunstfigur namens Thin White Duke, worauf sich auch die Zeile „The Return of the Thin White Duke“ im Titelsong bezieht. Seine Garderobe bestand nun aus weißem Hemd mit schwarzer Hose und Weste, die Haare waren streng zurückgekämmt, seine Ausstrahlung erschien distanziert und unterkühlt. Nicht nur aufgrund seines selbstgewählten Titels Duke geriet er in den Verdacht, faschistischer Gesinnung zu sein: Bei einem Live-Auftritt wurde eine verfängliche Geste Bowies beobachtet und in Interviews gab er Sätze von sich, die in diese Richtung interpretiert werden konnten. Das hatte auch die Abkehr einiger Fans zur Folge. Später distanzierte sich Bowie von dieser Phase; die zweideutigen Äußerungen wären wohl seinem damals erheblichen Kokainkonsum geschuldet. Eine nähere Untersuchung der damaligen Ereignisse kommt ebenso zu dem Ergebnis, dass Bowie kein Faschist ist oder war.

Sein Spiel mit sexueller Identität und Geschlechterrollen in den 1970er-Jahren, das er am Image der bizarren Entourage Andy Warhols seit den späten 1960er-, frühen 1970er-Jahren entwickelt hatte, war zunächst eine treibende Kraft in der Entwicklung des Glam Rock und wurde auch von nachfolgenden Künstlern aufgenommen. Er half damit, sexuelle Uneindeutigkeit auch im Mainstream salonfähig zu machen.

Bowie als Schauspieler

Seit Mitte der 1970er-Jahre arbeitet Bowie auch regelmäßig als Schauspieler in Spielfilmen und Fernsehserien. Seine Arbeit in diesem Bereich hat allgemein Anerkennung gefunden, jedoch nicht in dem Ausmaß wie sein musikalisches Schaffen. Auch er selbst sieht sich vorrangig als Musiker, wie er in Interviews aussagte.

Seine ersten Erfahrungen als Schauspieler sammelte Bowie Ende der 1960er-Jahre in dem experimentellen Kurzfilm The Image und in kleinen Promo-Streifen als Pantomime für seinen damaligen Mentor Lindsay Kemp.

1975 castete ihn Nicolas Roeg für die Hauptrolle in dem Spielfilm Der Mann, der vom Himmel fiel, obwohl Bowie keine nennenswerte Schauspielerfahrung hatte. Dieser Film gilt bis heute als seine beste Schauspielleistung. Bowie bemerkte jedoch später selbstkritisch, dass er eigentlich nur sich selbst gespielt hätte. Er war zu dieser Zeit schwer kokainsüchtig.

Weniger erfolgreich war 1979 seine Darstellung des Paul in Schöner Gigolo, armer Gigolo. Der Film – und auch sein Spiel – wurde sowohl von der Kritik verrissen als auch von Bowie später abgetan.

1981 hatte er einen Kurzauftritt in Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo. Er ist dort in einem von ihm gegebenen Konzert in Berlin zu sehen. Diese Szenen wurden extra für den Film nachgedreht und mit Archivaufnahmen gemischt.

Ein Achtungserfolg gelang ihm 1983 in dem Film Furyo – Merry Christmas, Mr. Lawrence, bei dem der von ihm geschätzte Nagisa Ōshima Regie führte. Im selben Jahr erschien der Film Begierde, in dem er an der Seite von Catherine Deneuve spielt.

1985 spielt Bowie eine kleinere Rolle in dem Film: Kopfüber in die Nacht (Into the Night), einem Thriller von John Landis.

1986 wurde er einem jüngeren Publikum als Koboldkönig Jareth in Jim Hensons Film Die Reise ins Labyrinth bekannt, der jedoch auch weit hinter dem erwarteten kommerziellen Erfolg zurück blieb. Beachtung fand hingegen sein Auftritt in einer Nebenrolle als Andy Warhol im Film Basquiat von 1996. Außerdem hatte Bowie einen Auftritt im Prequel zur Kultserie Twin Peaks von David Lynch: in Twin Peaks – Der Film (Twin Peaks: Fire Walk with Me) spielte er 1992 in einer kurzen Sequenz den „längst verloren geglaubten“ FBI-Agenten Phillip Jeffries.

Einen weiteren Kurzauftritt hatte er in Martin Scorseses Film Die letzte Versuchung Christi neben Willem Dafoe und Harvey Keitel als Pontius Pilatus.

Relativ unbekannt geblieben ist sein Auftritt in dem Film Houdini & Company – Der Geist des Magiers (Originaltitel: The Linguini Incident) von 1991 an der Seite von Rosanna Arquette.

2006 war er in einer Nebenrolle als Nikola Tesla im Film Prestige – Die Meister der Magie zu sehen.

Bowie-Bonds und Internet

Bowie ging im Februar 1997 einen neuen Weg, um mit seiner Musik Geld zu verdienen: Er gab eine Anleihe (“Bowie Bonds”) heraus, die mit den zukünftigen Einnahmen von 300 seiner Songs abgesichert ist und ihm auf einen Schlag 55 Millionen US-Dollar einbrachte.

Bowie gilt auch als Vorreiter seiner eigenen Vermarktung im Internet. Seine Website ist bereits seit 1996 online. Die Mehrzahl der Inhalte können nur von Mitgliedern angesehen werden. Man kann eigene Blogs anlegen und an Mitgliedern vorbehaltenen speziellen Verlosungen, unter anderem für Konzerte und „Meets and Greets”, teilnehmen.

Auszeichnungen

David Bowies Stern auf dem Hollywood Walk of Fame

1996 wurde Bowie in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.

2000 wählte der New Musical Express Bowie zum „einflussreichsten Popmusiker aller Zeiten“. 2007 wurde Bowie bei der elften Verleihung der Webby Awards mit einem Preis für sein Lebenswerk, unter anderem in Verbindung mit seinem Wirken als Pionier der Musikszene des Internets, ausgezeichnet.

Die Ärzte (Punkrock)

Die Ärzte

Die Ärzte sind eine deutschsprachige Punkrock-Band aus Berlin. Die Band gehört zu den kommerziell erfolgreichsten deutschen Musikgruppen und hat bis heute bundesweit über 6.800.000 Tonträger und 300.000 Bildtonträger verkauft. Die Musiker bezeichnen sich selbstironisch als „Die Beste Band der Welt“. Gegründet wurden Die Ärzte 1982, zwischen 1989 und 1993 waren sie getrennt. Seit 1993 besteht die Band aus Farin Urlaub, Bela B. und Rodrigo González.

Felsenheimer und Urlaub lernten sich 1981 in der Diskothek Ballhaus Spandau kennen. Da dem Gitarristen von Felsenheimers damaliger Punkband, Soilent Grün, die Gitarre gestohlen worden war, ersetzte Farin dessen Position. Als sich die Band nur ein Jahr später auflöste, gründeten Bela B. und Farin Urlaub zusammen mit dem Bassisten Sahnie „Die Ärzte“. Zunächst war Max Müller (später Mutter) als Sänger vorgesehen, erschien aber nie zu den Proben. Nach eigenem Bekunden der Band wählten sie den Namen „Die Ärzte“ aus keinem bestimmten Grund, allerdings existieren (nicht zuletzt aufgrund eigener, zumeist humorvoller Bemerkungen der Bandmitglieder) verschiedene Theorien über die Namensherkunft: Eine der populären Mutmaßungen besagt, dass Bela in den alphabetisch sortierten Regalen der Plattenläden stets eine Band mit dem Anfangsbuchstaben Ä vermisst hatte. Ihr erstes Konzert gaben Die Ärzte Ende des Jahres 1982 in einem besetzten Haus in West-Berlin,[3] kleinere Fernsehauftritte und der Gewinn des mit 10.000 DM dotierten Rock-Wettbewerb des Berliner Senats schlossen sich an. Mit Hilfe des Preisgeldes nahmen die Ärzte die Mini-LP Uns geht’s prima… auf, die im Jahr 1984 unter dem Berliner Label Vielklang veröffentlicht wurde. Durch einen Hinweis des damals auch als Musikproduzent arbeitenden Jim Rakete nahm die CBS Schallplatten GmbH Die Ärzte unter Vertrag.

Die Ärzte sollten erstmal eine EP aufnehmen. Anhand dieser wollte die Plattenfirma die Konditionen des Vertrages aushandeln. Allerdings nahmen Die Ärzte in der ihnen zur Verfügung gestellten Zeit ein ganzes Album, Debil, auf, um damit die Plattenfirma zu beeindrucken. Es stellt den ersten größeren Erfolg der Band dar und gilt heute als ihr Durchbruchsalbum.

Um eine anschließende finanzielle Durststrecke zu überwinden, spielten Die Ärzte im Jahr 1985 in dem deutschen Spielfilm Richy Guitar mit, in dem Urlaub, Felsenheimer und Runge die Rolle einer Band auf der Suche nach Erfolg verkörpern.

Ebenfalls 1985 veröffentlichten Die Ärzte ihr zweites Studioalbum Im Schatten der Ärzte, das auch erstmals die Charts erreichte.

Bassist Sahnie steuerte zum Album nur ein einziges Lied bei, „Wie ein Kind“, das eigentlich Micha Suurbier geschrieben hat (Sahnie war damals das einzige Mitglied von „Frau Suurbier“, das in die GEMA eintrat, und somit war er der offizielle Autor des Liedes). Sahnie verschwieg dies Felsenheimer und Urlaub. Auch seine Bässe spielte Sahnie immer seltener ein, er überließ die Studioarbeit komplett Urlaub und Felsenheimer und dem damaligen Produzenten Micki Meuser. Das Album beinhaltet zudem lediglich einen Song, auf welchem Bela B. Schlagzeug spielt („Käfer“), der Rest wurde von Micki Meuser in seinem Beisein programmiert, was in einem sehr wuchtigen Sound resultiert (bestes Beispiel: „Rennen, nicht laufen!“).

Nur ein Jahr später, während der Produktion zum dritten Album Die Ärzte, verließ der Bassist Sahnie wegen persönlicher Differenzen die Band: Urlaub und Felsenheimer hatten ihm immer häufiger den Vorwurf gemacht, er kümmere sich nicht ausreichend um die Musik und spiele nur noch wegen der Groupies und des Geldes in der Band. Zudem galt er als sehr unzuverlässig, da sein BWL-Studium viel Zeit verschlang und er darauf bestand, die Termine der Band aufgrund dessen nach ihm auszurichten. Als er von Urlaub forderte, Felsenheimer solle aus der Band geworfen werden und die Band brauche sein Gesicht, entbrannte ein Streit unter den Mitgliedern, in dessen Folge Sahnie aus der Band entlassen wurde.

Bereits 1986 folgte die Veröffentlichung des dritten Studioalbums Die Ärzte, die Bass-Sequenzen des Albums wurden vom Produzenten Manfred Praeker eingespielt. Als Live-Bassist stieß Hagen Liebing alias „The Incredible Hagen“ zur Band. Am 27. Januar 1987 wurde das Album wegen des Liedes „Geschwisterliebe“ indiziert. Außerdem wurde am 10. Juni 1987 das damals schon drei Jahre alte Debütalbum Debil wegen der Texte zu „Claudia hat ’nen Schäferhund“ und „Schlaflied“ indiziert. Der Karstadt-Konzern nahm nach der Indizierung der beiden Alben das ganze Programm der Band aus dem Sortiment; Fernsehauftritte gestalteten sich für Die Ärzte in dieser Zeit zunehmend schwieriger. Ein finanzielles Desaster zeichnete sich ab, so dass bereits zu diesem Zeitpunkt in der Band erstmals über eine Auflösung nachgedacht wurde: Die Mitglieder besaßen keinerlei finanzielle Polster und sowohl die Einnahmen aus den CD- und LP-Verkäufen als auch die Erträge der GEMA-Rechteverwertung waren stark zurückgegangen.

Als Reaktion auf die Indizierung der Stücke veröffentlichten die Ärzte 1987 die Mini-LP Ab 18, die, neben einigen anderen, alle bislang indizierten Lieder enthielt und forcierten somit (erfolgreich) eine erneute Indizierung eines ihrer Alben. Annähernd gleichzeitig versuchten sich Die Ärzte auch wieder an einem regulären Studioalbum.

Mit einer deutschen Version von „Walk Like an Egyptian“ von The Bangles erschien eine Single, die auch des Öfteren im Radio gespielt wurde. Doch die Aufnahmen zum nächsten Album liefen alles andere als erfolgreich, die Band schien ausgebrannt zu sein und kam nur mit mittelmäßigen Songs ins Studio. Als Reaktion darauf entschieden sie, ein Album aus vorwiegend alten Stücken zu produzieren und lediglich zwei von insgesamt sieben neuen Stücken und die deutsche Version von „Walk Like an Egyptian“, „Gehn wie ein Ägypter“, aufzunehmen. So wurden einige nicht indizierte Lieder der Alben Debil und Die Ärzte auf dem neuen Album erneut als Remixe und in anderen Versionen veröffentlicht.

Produzent war hierbei erstmals Uwe Hoffmann, der bis zum 2003er-Doppelalbum Geräusch alle weiteren Alben der Band produzieren sollte. Das Album nannten sie auch entsprechend einer Kompilation Ist das alles?.

Allerdings missachteten Die Ärzte auch die Indizierungsentscheidung der BPjM: Anlässlich eines Konzertes 1988 in Kleve spielten die Ärzte eine Instrumentalversion des Liedes „Geschwisterliebe“ und wurden daraufhin durch das örtliche Amtsgericht in einem Strafverfahren wegen Verstoßes gegen die Indizierungsentscheidung zu jeweils 1.000 DM hohen Geldstrafen verurteilt. Tatsächlich hatten Die Ärzte lediglich in der letzten Zeile des Stückes das Wort „Liebe“ mitgesungen. Nicht zuletzt ein inoffiziell gefertigtes Bootleg (und heute durchaus begehrtes Sammlerstück unter Ärzte-Fans) eines Konzertbesuchers in Kleve widerlegte die These des Amtsgerichts. Dennoch hatte die Band vorher die Zuschauer in ironischer Weise darum gebeten, den Text nicht mitzusingen, und sind wohl auch daher nicht gegen das Urteil vorgegangen. Live hatten Die Ärzte zudem das Lied „Claudia III“ gespielt, das als Provokation für die Bundesprüfstelle gedacht war: „Claudia“ hatte nun, anders als im indizierten „Claudia hat ’nen Schäferhund“, „christlichen Verkehr“.  Generell lieferten Die Ärzte zu „Geschwisterliebe“ nur das Playback und ließen das Publikum singen, nicht ohne es vorher aufzufordern, gegenteiliges zu tun.

In dieser Zeit entschieden Farin und Bela während eines Zypern-Urlaubs, die Band aufzulösen, auch im Hinblick auf die Unzufriedenheit bei Ist das alles? – 13 Höhepunkte mit den Ärzten.

Obwohl Die Ärzte aus dem damals geteilten Berlin stammen, haben sie erst spät versucht, auf dem ostdeutschen Musiksektor Fuß zu fassen. Wesentlichen Einfluss auf das Engagement in der DDR hatte der erklärte „DDR-Freund“ und Neu-Bassist Hagen Liebing im Jahre 1986. So heißt es beispielsweise in der Danksagung des Albums Das ist nicht die ganze Wahrheit… ausdrücklich: „… alle Fans und Freunde in der DDR …“ Hagen war es auch, der erste Kassetten mit Musik der Band bespielte und in Ost-Berlin in Kaufhäusern, Restaurants und Jugendclubs vorführte. Aus diesem Engagement heraus wurde der damalige Jugendradiosender DT64 auf Die Ärzte aufmerksam und arrangierte ein Interview, das zunächst jedoch nicht ausgestrahlt wurde. Bei einem zweiten Besuch in Ost-Berlin besuchten Die Ärzte ein Konzert der Band „Die Anderen“, und der Wunsch reifte, eine eigene Tournee durch die DDR zu veranstalten. Der damalige Manager der Band, Conny Konzack (bis heute Manager von Herbert Grönemeyer), arrangierte schließlich mit der staatlichen Plattenfirma Amiga die Veröffentlichung einer LP und einer Kurztournee, die insgesamt 10 Auftritte umfassen sollte. Im Einvernehmen mit Amiga wurde die LP Ist das alles? zur Veröffentlichung ausgewählt, einzelne Lieder wurden jedoch ausgetauscht. Den Regeln der Planwirtschaft folgend prognostizierte Amiga eine Auflage für die LP von 2.000 Stück. Zur Veröffentlichung sollte es allerdings zunächst nicht kommen, da das erwähnte Radiointerview mit DT64 kurz darauf ausgestrahlt wurde und die Kulturbehörde daraufhin Album und Tour kurzerhand aussetzte. Im Jahr 1987 erschien dann jedoch, ohne Wissen der Ärzte, im Rahmen der sogenannten Quartett-Reihe eine EP mit dem Titel Die Ärzte auf Amiga, die die vier Songs „Zu spät“, „Gehn wie ein Ägypter“, „Radio brennt“ und „Du willst mich küssen“ enthielt. Mit dem Fall der Berliner Mauer brach der Kontakt zwischen Columbia Records und Amiga ab.                                          Aus späterer Sicht resümierte Bela B. im Jahr 2001: „Die DDR war passé und wir hatten uns aufgelöst. Im Nachhinein hätten wir mindestens einmal in Ost-Berlin spielen sollen.“

Die Auflösung der Band war zu diesem Zeitpunkt bereits beschlossen, Das ist nicht die ganze Wahrheit… sollte die letzte Studioplatte des Trios sein. Die Gerüchte um eine mögliche Trennung der Gruppe heizten erwartungsgemäß den Album- und Konzertticketverkauf stark an, die Singleauskopplung „Westerland“ wurde ihr zunächst kommerziell größter Erfolg. Es folgte die Abschiedstour der Band, auf der die Mitschnitte zur Live-LP Nach uns die Sintflut aufgenommen wurde, am 9. Juli 1988 schließlich fand in Westerland auf Sylt das vorläufig letzte Konzert der Ärzte statt. Noch im selben Jahr erschien das Dreifach-Livealbum als vorerst letzte geplante Veröffentlichung mit insgesamt 37 Stücken. Gegen den Willen der Plattenfirma wurde es zum Preis eines Doppelalbums verkauft. Erst 1990 trafen sich Bela und Farin noch einmal im Studio, unter dem Pseudonym „Bela B. & Jan“ nahmen sie das Lied „Wir brauchen… Werner“ als Soundtrack zum Film Werner – Beinhart! auf.

1993 beschlossen Bela und Farin zusammen mit dem Depp-Jones-Gitarristen Rodrigo González am Bass die Neugründung der Band. Ihre neue Plattenfirma suchten sie mit einer ganzseitigen Anzeige („Beste Band der Welt sucht Plattenfirma“) in der Zeitschrift Musik Markt. Somit konkurrierten einige Plattenfirmen um das beste Angebot, die Ärzte entschieden sich für Metronome. Außerdem erwarb Bela bei der Beckenfirma Paiste einen Endorsement-Vertrag, der ihm das Produkt für Konzerte, Proben und Aufnahmen zusicherte. Durch Rodrigo lernte Farin den Gitarrenbauer Thomas Harm kennen, der für ihn Gitarren als Unikate nach seinen Vorstellungen anfertigte. Es wurde das Album Die Bestie in Menschengestalt aufgenommen, mit dem die Rückkehr der Ärzte gelang. Die erste Singleauskopplung „Schrei nach Liebe“ griff den aufkeimenden Rechtsextremismus im vereinten Deutschland auf. Zwischen Oktober 1993 und August 1994 spielten sie zunächst auf der Plugged-Tour und anschließend auf der namentlich an den Sat.1-Film-Film angelehnten „Tour Tour“ insgesamt 155 Konzerte.

Es folgte 1994 das erste Best-of-Album Das Beste von kurz nach früher bis jetze mit vielen „alten“ Liedern. Es wurden aber auch B-Seiten und einige Samplerbeiträge aus den 80ern für das Jugendmagazin Moskito auf dem Doppelalbum zusammengefasst.

Das zweite Studioalbum nach der Reunion, Planet Punk, wurde am 18. September 1995 veröffentlicht. Um den Namen gab es zuvor eine lange Diskussion, das Ergebnis ist ein Kompromiss, mit dem niemand wirklich zufrieden war. Allerdings löste der Name eine Diskussion aus, was die Ärzte eigentlich noch mit Punk zu tun hätten. Das Album selbst geriet um einiges „punkiger“ und experimenteller als die vorherigen. Als Promotion wollten Die Ärzte, ohne jeglichen Text, Plakatwände mit Nacktfotos von Bela und Farin und einem völlig überbekleideten Rod bekleben. Die Aktion scheiterte an der Vernunft, die Nacktbilder wurden einige Jahre später als Konzerttickets benutzt. Dem Album folgte dann schließlich die Eine-Frage-der-Ehre-Tour.

Im selben Jahr nahmen die Ärzte die EP 1, 2, 3, 4 – Bullenstaat! auf. Dieses aggressive Punk-Album, das Coverversionen von Wire und den Buttocks sowie eine Punkversion vom auf Debil enthaltenen Lied „Paul“ enthält, war nur auf Konzerten und bei den Fanclubs käuflich zu erwerben und erschien zunächst ausschließlich als 7″-Vinyl-Album. Nur ein halbes Jahr später und eigentlich als EP gedacht, erschien am 27. Mai 1996 das Konzeptalbum Le Frisur, das sich ausschließlich dem Thema „Haare“ widmete. Es machte Planet Punk, das sich zu diesem Zeitpunkt immer noch in den Charts befand, erwartungsgemäß Konkurrenz, wurde aber von den Fans nicht so positiv aufgenommen wie sein Vorgänger.

Es folgte eine große Tour mit dem Titel „Voodoo Lounge“. Mit dem Titel persiflierten Die Ärzte die Rolling-Stones-Tour. Die Tour-Videos Gefangen im Schattenreich von Die Ärzte und Noch mehr Gefangen im Schattenreich von Die Ärzte (Teil 2) erschienen noch im selben Jahr.

1996 ging außerdem für den Bassisten Rod und den Schlagzeuger Bela B. ein Traum in Erfüllung: Die Rockband Kiss startete eine Reunion-Tour und Die Ärzte spielten in Deutschland und der Schweiz als Vorband. Auch 1997 schlossen sich weitere Konzerte als Vorband von Kiss an. Es folgte eine nicht beworbene Geheimtour unter dem Namen „Ä live“. 1997 wurde vom Label Gringo Records das Doppelalbum Götterdämmerung zu Ehren der Ärzte veröffentlicht, auf dem mehrere Künstler 34 Songs der Ärzte covern.

Im Jahr 1998 wurde das Plattenlabel „Hot Action Records“ von der Band gegründet. Darunter veröffentlichte Tonträger sind frei von Kopierschutzmaßnahmen, da die Band solche als erheblichen Nachteil für den „ehrlichen Käufer“ sieht. Abgesehen davon mache man sich mit der Verwendung eines umgehbaren Kopierschutzes lächerlich.

Das am 25. Mai 1998 erschienene Album 13 umfasst die Singleauskopplung „Männer sind Schweine“, die die erste Nummer 1 in den deutschen Single-Charts war. Ende 1998 startete die Band die Geheimtour „Paul“. Die Attacke-Royal-Tour, die knapp 70 Konzerte umfasste, schloss sich an. Nach diesem Erfolg und der langen Tour stand die Band erneut kurz vor der Auflösung, da sie sich nach eigener Aussage „einfach nicht mehr sehen konnten“.

In dieser Zeit brachen Die Ärzte auch den Kontakt zur Bravo ab, da diese Schmutzgeschichten, in denen Farin Urlaub als brutaler Schläger hingestellt wurde, vermehrt abdruckte. Nach einer kleinen Pause wurde aus Mitschnitten, die sie seit 1993 gesammelt hatten, das Live-Doppelalbum Wir wollen nur deine Seele zusammengestellt und am 11. November 1999 veröffentlicht.

Für Fanclubmitglieder der Ärzte gab es noch eine Live-Zugabe: Unter dem Titel Satanische Pferde veröffentlichten Die Ärzte eine weitere CD, auf der neuere Aufnahmen vieler Titel vertreten waren, die bereits auf Nach uns die Sintflut als Liveversionen erschienen waren.

Im März und April 2000 folgte die Geheimtour „Sie operieren wieder“, auf der die Ärzte als „Die Zu Späten“ auftraten. Bei zwölf Konzerten mit improvisierter Karaoke-Show mit dem Publikum kam es im Berliner „SO36“ in Kreuzberg zu einem gemeinsamen Konzert mit den Toten Hosen. Die „Toten Hosen“ waren zu gleicher Zeit als „Essen auf Rädern“ auf Clubtour. Ein zusätzlicher Auftritt als Revanche im Vorprogramm von „Essen auf Rädern“ in Düsseldorf im TOR 3 folgte, bei dem beide Bands zusammen noch einige alte ZK-/Punk-Lieder spielten.

Das nächste Studioalbum Runter mit den Spendierhosen, Unsichtbarer! erschien am 23. Oktober 2000 in einer hellblauen Plüschtasche. Die Single „Wie es geht“ kam bereits am 21. August auf den Markt und wurde vier Tage vorher live in der Harald Schmidt Show zu dessen Geburtstag vorgestellt.

Unter dem Namen „Üben, Unsichtbarer!“ spielten die Ärzte am Aschermittwoch 2001 ein Internetkonzert in ihrem Proberaum, das via Live-Stream zusammen mit T-Online übertragen wurde. Fans konnten per Chat Liederwünsche abgeben. Ebenfalls 2001 erschien das Album 5, 6, 7, 8 – Bullenstaat!, das neben seinem Vorgänger von 1995, das fast ausschließlich aus Coverversionen deutscher Punkbands bestand, auch etwa zwanzig weitere Stücke enthielt. Auch diese Platte wurde ausschließlich auf Konzerten und per Fanclub verkauft.

Eher als Spaß gedacht, erschien am 5. März 2001 „Yoko Ono“ als Single – das Lied selbst hat eine Laufzeit von nur 30 Sekunden. Das Video zur Single wurde mit seinen 45 Sekunden als kürzestes Musikvideo der Welt in das Guinness-Buch der Rekorde eingetragen. Im Sommer 2001 folgte die Tour „Rauf auf die Bühne, Unsichtbarer!“. Die Ärzte spielten neben Deutschland, Österreich und der Schweiz auch erstmals in Luxemburg und Italien, jeweils aber nur ein Konzert. Im Anschluss an das Tourabschlusskonzert in Westerland folgte im Herbst 2001 die Lesetour zur eigenen Biografie Ein überdimensionales Meerschwein frisst die Erde auf, die vom Ärzte-Fan und ehemaligen Fanclub-Leiter Markus Karg geschrieben wurde, durch Kinos in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Am 21. Juni 2002 gab die Gruppe auf dem Mariannenplatz in Berlin-Kreuzberg vor etwa 35.000 Zuschauern ihr 20-Jahre-Jubiläumskonzert mit dem Titel „15 Jahre netto“. Der Konzerttitel war als Anspielung auf die Auflösung der Ärzte zwischen 1988 und 1993 zu verstehen. Für den Eintrittspreis von 7 Euro spielten Die Ärzte ca. drei Stunden live vor dem Publikum die Höhepunkte der Bandgeschichte. Als Überraschungsgast trat Hagen Liebing bei der Performance von „2000 Mädchen“ am Bass auf und Diane Weigmann sang ihren Part bei „Manchmal haben Frauen“.

Im selben Jahr, am 31. August 2002, spielten die Ärzte im Hamburger Albert-Schweitzer-Gymnasium ein Unplugged-Konzert, das als MTV-Unplugged-Aufzeichnung mitgeschnitten wurde. Begleitet wurde die Band unter anderem vom dortigen Schulorchester, dem Schulchor sowie dem Percussionisten der Götz Alsmann Band, Markus Paßlick. Aus den Mitschnitten wurde am 4. November 2002 die LP Rock ’n’ Roll Realschule veröffentlicht, am 6. Dezember 2002 erschien die gleichnamige DVD.

Danach wurde es wieder ruhig um Die Ärzte, Farin ging zwischenzeitlich mit dem „Farin Urlaub Racing Team“ auf Tour. Im März 2003 absolvierten Die Ärzte unter dem Namen „Nudo Tra I Cannibali“ (zu dt.: Nackt unter Kannibalen) eine Geheimtour mit zehn Auftritten namens „Giocare Ai Birilli For Montagna Trasversale Giro Del Tedesco 2003“ in kleinen Clubs quer durch Deutschland.

Am 29. September 2003 erschien das erste Studio-Doppelalbum der Band mit dem Titel Geräusch. Mit dem auch als Single ausgekoppelten Lied „Deine Schuld“ schlugen die Ärzte erneut auch politische Töne an. Die Jenseits-der-Grenze-des-Zumutbaren-Tour mit der Hamburger Hip-Hop-Gruppe Fettes Brot als Vorband folgte; auf Grund der hohen Nachfragen gaben Die Ärzte am Wochenende vom 18. bis 20. Juni 2004 in der Berliner Wuhlheide drei Zusatzkonzerte vor jeweils 20.000 Fans, wobei als Vorgruppe jeweils die Village People engagiert wurden. In Oberhausen schnitten Die Ärzte auf der Tour die erste reguläre Live-DVD mit, die unter dem Titel Die Band, die sie Pferd nannten seit dem 23. August 2004 im Handel erhältlich ist. Vor der sich nun anschließenden Unrockstar-Tour machten Die Ärzte wieder Urlaub. Das Abschiedskonzert wurde von den Ärzten vor 22.000 Menschen am 8. August 2004 in der Berliner Waldbühne gegeben.

Im Herbst 2004 erschien ein Liederbuch mit den Texten und Akkorden aller 262 veröffentlichten Titel. Im November folgte als Jahresabschluss die erste Die-Ärzte-Tour durch Südamerika. Unter anderem traten sie in Buenos Aires, Santiago de Chile und San Carlos in diversen Clubs als Vorgruppe von La Vela Puerca auf.

Seit dem 30. November 2004 steht außerdem das Album Debil nicht mehr auf dem Index. Das Gremium der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) befand nach einer erneuten Überprüfung, dass die Lieder „Claudia hat ’nen Schäferhund“ und „Schlaflied“ nicht mehr als jugendgefährdend einzustufen sind. Daher wurde die CD aus der Liste gestrichen und ist seither eingeschränkt im Handel erhältlich. Als Folge darauf erschien am 21. Oktober 2005 das Album Devil, die Neuveröffentlichung des Albums „Debil“ mit einigen Bonusstücken, unter anderen dem bisher unveröffentlichten Stück „Füße vom Tisch“.

Die Ärzte spielten im Jahre 2005 außerdem als Headliner beim deutschen Indierock-Doppelfestival Hurricane/Southside. Ende 2005 wurde ein Ringbuchordner mit dem Titel „Die Ärzte: Notenfreund“ (Unterüberschrift: „Noten – Der falsche Weg zum Punkrock“) veröffentlicht. Er enthält die Texte, Gesangsmelodien und Gitarrengriffe aller Titel sortiert nach Alben. Der Ordner ist erweiterbar, so dass bei Neuveröffentlichungen neue Blätter nachgekauft werden können.

Im Folgejahr erschien am 6. Oktober ein weiteres Best-of-Doppelalbum mit dem Titel Bäst of. Als Besonderheit wird es in einer Metallbox ausgeliefert. Darauf zu hören sind alle veröffentlichen Singles seit 1993 sowie die zugehörigen B-Seiten.

Unter dem Namen „Ärzte statt Böller“ fand am 31. Dezember 2006 ein Silvesterkonzert im Kölner RheinEnergieStadion statt. Innerhalb von zwei Wochen waren alle Innenraum-Tickets vergriffen. „Ärzte statt Böller“ war ausverkauft, ca. 45.000 Fans aus ganz Deutschland kamen nach Köln-Müngersdorf. Der Filmproduzent und Regisseur Marc Schütrumpf produzierte die 45minütige Dokumentation Ärzte statt Böller, welche die Band und ihre Crew bei der Vorbereitung zeigt und authentische Blicke hinter die Kulissen dieses besonderen Konzerts gewährt. Als Vorbereitung darauf fand am 29. Dezember 2006 in Berlin wieder ein Geheimkonzert unter dem Namen „Die Ärzte, unter falschem Namen“ statt.

Von April bis Juni 2007 nahmen Die Ärzte ein neues Album auf, was schon zuvor beim Ärzte-statt-Böller-Konzert angekündigt worden war. Die wieder in Berlin gemachten Aufnahmen für das Album Jazz ist anders unterbrachen sie nur für Auftritte bei Rock am Ring (als Headliner) und Rock im Park in Deutschland, beim Frequency Festival in Österreich und beim Open Air Gampel in der Schweiz, die die Flucht-aus-dem-Studio-Tour bildeten. Um ihren Fans einen Einblick in die Studioarbeit zu geben, wurde an jedem Studiotag jeweils ein kurzes Video auf der Ärzte-Homepage veröffentlicht.

Anfang Juni 2007 wurden die Termine für die Tour „Es wird eng“ veröffentlicht. Viele Tourtermine waren bereits nach drei Wochen ausverkauft, woraufhin mehrere Zusatztermine angesetzt wurden. Auch wurde bekannt, dass die Band sich vom langjährigen Produzenten Uwe Hoffmann, der seit 1987 (Ist das alles?) alle Die-Ärzte-Veröffentlichungen produziert hatte, getrennt hat und das folgende Album nun mit Unterstützung des “TeamTonic” (Mirko Schaffer, Oliver Zülch und Philipp Hoppen)  aufgenommen wurde.

Anfang Oktober erschien die erste Single „Junge“ aus dem angekündigten Album. Das Video hatte am 14. September auf MTV Weltpremiere, allerdings in der aus Jugendschutzgründen von der Band selbst entschärften Version. Die unzensierte Version ist erst ab 22 Uhr im Fernsehen zu sehen. Der Single folgte am 2. November 2007 das neue Album Jazz ist anders, das die Band erstmals seit 1984 wieder selbst produzierte. Der Veröffentlichung folgte Ende 2007 die Es-wird-eng-Tour.

Am 18. Januar 2008 erschien die zweite Singleauskopplung „Lied vom Scheitern“ und am 11. April 2008 folgte „Lasse redn“ als dritte Singleauskopplung. Mitte Februar 2008 bekamen Die Ärzte in der Kategorie „Gruppe des Jahres Rock/Alternative (national)“ den Musikpreis Echo 2008 verliehen. Farin Urlaub ließ zu der Zeit in seinem Gästebuch verlauten, dass er an seinem dritten Solostudioalbum arbeite.

Mitte Mai startete in Moskau die Jazzfäst-Tour, die Die Ärzte bis Ende August 2008 nicht nur durch den deutschsprachigen Raum, sondern auch nach Prag und Budapest führte. Des Weiteren spielten sie auf mehreren großen Festivals, etwa auf dem Nova Rock in Österreich, dem Greenfield Festival in der Schweiz, sowie in Deutschland auf dem Highfield- und dem Area4-Festival und zum Abschluss der Festivalsaison bei Rock am See. Im Dezember 2008 bekamen Die Ärzte die 1LIVE Krone 2008 für ihr Lebenswerk verliehen. Für den hohen Plattenverkauf von Jazz ist anders erhielten Die Ärzte 2008 einen World Music Award in der Kategorie „Bester Künstler Deutschlands“.

Mit „HimmelblauPerfektBreit“ erschien im Dezember 2009 die letzte Singleauskopplung aus dem Album Jazz ist anders.

Am 16. April 2011 traten Die Ärzte als Vorband von Bonaparte in der Columbiahalle in Berlin auf. Danach absolvierten sie, unter dem Pseudonym „Laternen-Joe“, eine Clubtour durch acht Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Am 15. November 2011 kündigte Ärzte-Manager Axel Schulz in einem offenen Brief an den Fanclub zum ersten Mal in der Band-Geschichte eine offizielle “Band-Pause” an. Das kommende Album sowie die kommende Tour werde auf “unabsehbar lange Zeit” die letzte gemeinsame Aktivität bleiben. Er bat um Einstellung der Mitgliedsbeiträge und um die Entfernung des Wortes “offiziell” aus dem Fanclub-Titel. Kurze Zeit später wurde angekündigt, dass der Fanclub nach der “DAS ENDE ist noch nicht vorbei TOUR 2012″ komplett eingestellt wird.

Am 19. Dezember 2011 spielten die Ärzte in der Dortmunder Westfalenhalle ein Konzert mit dem Titel „XX-Konzert“ nur für Frauen. Am 20. Dezember folgte dann das „XY-Konzert“, an dem nur Männer teilnehmen durften.

Nach langer Zusammenarbeit trennte man sich 2011 von Artdirector Thomas “Schwarwel” Meitsch, der seit 1993 alle grafischen Inhalte für sämtliche Veröffentlichungen der Ärzte sowie Farin Urlaubs Soloprojekt gestaltet hatte (Logos, Tonträger, Poster, Webseite, Merchandise). Neuer Grafiker ist der Hamburger Felix Schlüter.

Eine neue EP mit dem Titel zeiDverschwÄndung erschien am 2. März 2012 und wurde am 21. März 2012 in der Harald Schmidt Show zum ersten Mal live dargeboten. ZeiDverschwÄndung ist die erste Single aus dem Album auch, das seit dem 13. April 2012 im Handel ist. Diesem soll die “DAS ENDE ist noch nicht vorbei”-Tour 2012 folgen. Alle Konzerte dieser Tour, ausgenommen der Festival-Auftritte, werden mitgeschnitten und am Ende der Show auf einem USB-Stick dem Publikum zum Kauf angeboten.

Musikstil und Auftreten

Über die musikalische Einordnung der Berliner Band wird viel gestritten, da Die Ärzte sehr experimentierfreudig sind. Was sich eindeutig sagen lässt, ist, dass die Musikrichtung der Ärzte zwischen Punk-Rock und Pop liegt. In der Rückschau wird deutlich, dass Die Ärzte musikalisch wie äußerlich neben der „klassischen“ Berliner Punk-Szene auch sehr stark vom damaligen Rockabilly-Boom (für den zu jener Zeit vor allem die Stray Cats standen) beeindruckt und beeinflusst wurden.

Der Musikstil der Band wird gekennzeichnet durch sehr simple, einprägsame Melodien und Texte, die zwischen (durchaus erwünschter) Albernheit und Ironie pendeln. Zahlreiche Lieder zeichnen sich durch gewandten Wortwitz oder infantilen Humor aus.

Selbstironie sollte generell im Leben eine große Rolle spielen.

Es gibt aber auch Liedtexte mit ernstem Inhalt, die gerade auf den neueren Alben häufiger geworden sind. So sangen Die Ärzte zum Beispiel auch Balladen und Liebeslieder, die meistens aus der Feder von Farin Urlaub stammen, wobei viele (zum Beispiel „Zu spät“, „Komm zurück“, „Nichts in der Welt“) vom Ende einer Beziehung handeln.

Auch mit der Zensur wussten sie humorvoll umzugehen. Das Lied „Bitte bitte“ aus dem Album Das ist nicht die ganze Wahrheit… sollte 1988 eine musikalische Aufarbeitung der Indizierung darstellen. Später schrieben Die Ärzte „Ein Lied über Zensur“ und arbeiteten das Thema weiter auf. Live umgehen Die Ärzte das Verbot, die Stücke zu spielen – damals wie heute –, indem sie die Musik spielen und die Fans dazu singen lassen – zumindest bei „Geschwisterliebe“, das in Hamburg 1988 live mit dem Gesang der Fans aufgezeichnet und als Bonus-Single „Der Ritt auf dem Schmetterling“ dem Livealbum Nach uns die Sintflut in der ersten Auflage beigelegt wurde, damit nicht das ganze Album wegen des Titels indiziert werden konnte.

Eine weitere Tour mit dem Titel “DIE ÄRZTE – DAS COMEBACK” wird gestartet.