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Deep Purple

deep purple

Deep Purple ist eine im April 1968 gegründete englische Rockband. Mit ihrem Stil, der vom Klang der Hammond-Orgel, markanten Gitarrenriffs, Improvisation und treibender Rhythmusarbeit geprägt ist, zählt sie zu den ersten und einflussreichsten Vertretern des Hard Rock und des Heavy Metal. Laut dem Guinnes Buch der Rekorde ist sie die „lauteste Band der Welt“.

 

Im Verlauf der von zahlreichen Besetzungswechseln geprägten Bandgeschichte erfolgten dabei auch musikalische Neuausrichtungen. Im Frühwerk der Band stehen Psychedelic Rock und Bluesrock („Hush“) neben Annäherungsversuchen zwischen Rockmusik und Klassik („Anthem“, „April“). Stilprägenden Einfluss hinterließen dann jedoch vor allem die Besetzungen der 1970er Jahre, deren Schaffen prägnante Hard-Rock-Songs mit eingängigen Riffs wie „Smoke on the Water“ und „Highway Star“ einschließt, aber auch von besonderer Improvisationsfreude geprägt ist. Diese äußert sich einerseits in Titeln von ungewöhnlich langer Spieldauer wie „Child in Time“, andererseits bei den Live-Darbietungen der Songs, wie „Space Truckin’“, die gegenüber den Studioversionen wesentlich in ihrer Länge ausgedehnt wurden. Die Besetzungen seit der Wiedervereinigung in den 1980er Jahren orientieren sich musikalisch an dieser erfolgreichsten Phase der Band, seit den frühen 1990er Jahren verstärkt unter Hinzunahme poppiger Elemente.

Bandgeschichte

Die Bandgeschichte war von häufigem Personalwechsel geprägt, sodass sie in den bisher dreißig aktiven Jahren zumeist nur wenige Jahre aus denselben Mitgliedern bestand. Die verschiedenen Besetzungen werden häufig mit der vorangestellten englischen Bezeichnung „Mark“ (Mk) durchnummeriert.

Gründung und erste Erfolge

Deep Purple entstand, als die Londoner Geschäftsleute Tony Edwards und John Coletta 1967 beschlossen, in eine Rockband zu investieren, und Jon Lord mit der Gründung einer Rockgruppe beauftragten. Aus der Band „Roundabout“, die sich damals aus Ritchie Blackmore, Jon Lord von den „Flowerpot Men“, Chris Curtis (Gesang, Ex-„Searchers“-Schlagzeuger), Dave Curtiss (Bass) und Bobby Woodman (Schlagzeug) zusammensetzte, bildete sich im April 1968 nach dem Ausscheiden von Curtis, Woodman und Curtiss, Deep Purple. Die Besetzung war vorher durch Rod Evans (Gesang), Ian Paice (Schlagzeug) (beide Ex-„The Maze“) sowie Nick Simper (Bass) vervollständigt worden.

Auf den neuen Namen „Deep Purple“ kam die Band nach einer kurzen Tour durch Skandinavien. Der Name lässt sich zwar aus dem Englischen als „tiefes Purpur“ übersetzen und gilt dort als Slangbegriff für LSD, tatsächlich bezieht sich der Name jedoch auf den Swing-Song Deep Purple („When the Deep Purple Falls…“) von Peter DeRose, der als Jazz-Standard gilt und unter anderem durch die Interpretation von Artie Shaw bekannt ist.

Die Band spielte in der Mark-I-Besetzung drei Alben ein.

Das Debütalbum Shades of Deep Purple aus dem Jahr 1968 zeigte eine Mischung verschiedener musikalischer Ansätze, die mit der „typischen Deep-Purple-Musik“ der 1970er Jahre noch wenig Verwandtschaft zeigt. Das Album selbst wurde innerhalb von nur drei Tagen aufgenommen. Der noch an der Popmusik der Beatles orientierte Sound war in seiner „Härte“ für die damalige Zeit teilweise ungewöhnlich. Er wird daher von Kritikern als Grundlage für die Entwicklung des Hard Rocks und späteren Heavy Metals angesehen. Das Album enthält neben eigenen Songs auch einige Coverversionen, unter anderem Help! von den Beatles, Jimi Hendrix’ Hey Joe und das von Joe South geschriebene Hush. Mit Letzterem hatte die Band ihren Durchbruch in den USA, wo die Single Platz 4 der Charts erreichte. Am 6. Juli trat die Band im Vorprogramm der Byrds erstmalig auf britischem Boden auf.

Noch im gleichen Jahr wurde das zweite Album The Book of Taliesyn veröffentlicht, das teilweise auch Merkmale des Progressive Rock, sowie die später oft verwendeten klassischen Zitate aufweist (hier in einer Kurzversion von Beethovens zweitem Satz seiner siebten Sinfonie in Exposition). Ein Beispiel für die Verwendung klassischer Instrumente und Formen ist der Mittelteil von Anthem, in dem ein vierstimmiges Fugato der Streicher erklingt. Kritiker wie die Zeitschrift Disc & Music Echo lobten, obwohl sie auf dem „leicht enttäuschenden Album“ den wirklichen „Kick“ vermissten, den „Sinn der Band für Dynamik, sowie die Verbindung instrumentaler Passagen mit bekannten Themen“. Nach der Veröffentlichung tourte Deep Purple als Vorgruppe von Cream, und danach „auf eigene Faust“, durch die USA.

Das dritte, schlicht Deep Purple betitelte Album erschien 1969. Manche Songs, wie das zwölfminütige April, das eine Dreiteilung (Band – Orchester – Band) aufweist, verweisen wieder auf klassische Modelle und Ästhetik. Der Titel war einer der ersten der bald darauf beliebten „Rocksuiten“ von Progressive-Rock-Bands wie The Nice, Emerson, Lake and Palmer oder Genesis.

Erste Wechsel und wachsende Popularität

Mitte 1969 wurden Evans und Simper durch den Sänger Ian Gillan und den Bassisten Roger Glover ersetzt. Die beiden hatten zuvor schon mehrere Jahre lang in der Band „Episode Six“ zusammen gespielt. Mit der Verpflichtung dieser Musiker entstand die Mk-II-Besetzung.

Zunächst standen primär Lord und seine Musikvorstellungen im Rampenlicht. Der klassisch ausgebildete Musiker hatte ein Werk für Rockband und Orchester geschrieben, Concerto for Group and Orchestra, das gemeinsam mit dem „Royal Philharmonic Orchestra“ in der Royal Albert Hall unter der Leitung von Malcolm Arnold uraufgeführt wurde. Es war einer der ersten Versuche, klassische und Rockmusik zu kombinieren. Obwohl das Projekt vom Publikum und Teilen der Kritiker wohlwollend aufgenommen wurde, waren einige Bandmitglieder, vor allem Blackmore, damit nicht zufrieden. Unter anderem aufgrund der Angst vor einem Imageverlust der Band wurde beschlossen, einen neuen Weg einzuschlagen. 

Das 1970 veröffentlichte Album Deep Purple in Rock kann als ein Wendepunkt in der Geschichte der Band gesehen werden. Es war das erste auch in Europa erfolgreiche Album. In Großbritannien erreichte es Chartposition vier und verbrachte in Deutschland gar zwölf Wochen auf Platz eins. Das Werk vereint die für die Folgezeit typischen musikalischen Merkmale: Markante Hard-Rock-Riffs Blackmores, Lords klassische Kadenzen und Figuren, Gillans ekstatischen Gesang, sowie die in Titeln wie „Speed King“, „Child in Time“ und anderen Songs besonders live offen ausgetragene Konkurrenz zwischen Lords Orgel und Blackmores Gitarre. Diese Konkurrenz ist allerdings, häufig in der Form eines Call-and-Response (wie im Notenbeispiel zu „Speed King“), musikalisch durchaus fruchtbar. Die harten Rockriffs von Blackmore haben sich nun definitiv durchgesetzt. Die klassischen Elemente erscheinen zunehmend als notfalls auch verzichtbare Zutat einer primär Hard-Rock-orientierten Musik. Auf der sicheren Basis von Paice und Glover entwickelte sich der Stil zu einer sehr rhythmusbetonten, geradlinigen Musik weiter. Das im Anschluss an das Album produzierte Lied „Black Night“ gelangte auf Platz 2 der britischen Charts, und wurde deren erfolgreichste Single seit „Hush“.

Dieses Album bedeutete den endgültigen Durchbruch der Band und fokussierte internationale Aufmerksamkeit. 1971 gründeten die Musiker ihr eigenes Platten-Label Purple Records. Auch das im Vergleich zum Vorgänger experimentellere Album Fireball und besonders Machine Head mit den heute noch live gespielten Titeln „Highway Star“ und „Smoke on the Water“, die immer mehr von Blackmores Gitarrenspiel beeinflusst wurden, steigerten die Popularität der Band. Neben Deep Purple in Rock zählen diese zu den bedeutendsten Deep-Purple-Alben. Machine Head enthält auch den wohl bekanntesten aller von Deep Purple geschriebenen Songs, „Smoke on the Water“. Die Singleauskopplung zu diesem Lied ist bis heute eine der meistverkauften der Bandgeschichte und zählt zu den bekanntesten Rocksongs überhaupt. Auf dem Live-Album Made in Japan stellte die Band Spielfreude und Improvisationsvermögen in gegenüber den Studiotiteln teilweise doppelt so langen Versionen eindrucksvoll unter Beweis.

Da die Band sehr häufig auf Tournee war, kam es zu Spannungen und Konflikten zwischen den Musikern. Zu den Aufnahmen von Who Do We Think We Are im Jahr 1973 gingen die Bandmitglieder getrennt ins Studio. Zunächst hieß es, man wolle die Band komplett auflösen, später wurden nur Gillan und Glover, vermutlich vor allem wegen der Differenzen mit Blackmore, ausgetauscht. Das Album hatte erstmals rückläufige Verkaufszahlen und wurde von Kritikern weniger positiv als seine Vorgänger bewertet.

Umbesetzung und Ausstieg Blackmores

Nachdem die Verpflichtung des Bad-Company-Sängers Paul Rodgers scheiterte, verpflichtete die Band den damals unbekannten David Coverdale. Als Bassist schloss sich der vormals bei der Band Trapeze aktive Glenn Hughes an, der Coverdale vor allem in den hohen Stimmlagen auch gesanglich unterstützte. Die folgenden Aufnahmen für Burn und Stormbringer waren Blues- und Soul-orientierter als ihre Vorgänger. Es folgten die üblichen Promotion-Tourneen für die beiden Platten. Bekannt ist etwa ihr Auftritt beim California Jam am 6. April 1974, dem größten Deep-Purple-Konzert mit etwa 200.000 verkauften Karten, bei dem die Band gemeinsam mit Emerson, Lake and Palmer und Black Sabbath auftrat. Am Ende der Show, während der Darbietung von „Space Truckin’“ zerstörte Ritchie Blackmore mehrere seiner Gitarren, demolierte eine Fernsehkamera und ließ seine Monitorboxen mit Benzin abbrennen.

1975 verließ Blackmore nach einigen Querelen die Band, um seine eigene Band Rainbow zu gründen.

Krise und Auflösung

Der Rest der Gruppe tat sich schwer damit, einen geeigneten Ersatz für Blackmore zu finden, da dieser als Gründungsmitglied den Bandstil entscheidend mitgeprägt hatte. Schließlich konnte man sich auf den von Coverdale vorgeschlagenen US-amerikanischen Fusion-Gitarristen Tommy Bolin einigen. Dieser hatte zuvor bereits unter anderem bei der James Gang und auf Billy Cobhams Album Spectrum mitgewirkt. Bolins Erneuerungsbemühungen waren nicht von Erfolg gekrönt: Das speziell in Hughes’ Bassspiel und Bolins Rhythmusgitarre verstärkt auf Soul- und Funkelemente setzende Album Come Taste the Band erwies sich, gemessen an den Verkaufszahlen der vorherigen Alben, als kommerzieller Flop. Ein Kritiker der Zeitschrift Sounds bezeichnete es als „üblen Verschnitt“. Im Booklet des 1995 neu veröffentlichten Albums Malice in Wonderland von Paice Ashton Lord wird Ian Paice’ Erklärung zur Besetzung mit Bolin zitiert, in der er zwar die Zusammenarbeit mit diesem lobt, aber auch auf dessen Heroinabhängigkeit hinweist.

Schwere Drogenprobleme von Hughes und Bolin, aber auch unterschiedliche musikalische Vorstellungen der Mitglieder zerstörten den Zusammenhalt der Band. Coverdale, Lord und Paice lösten daher im März 1976 die Band nach einem letzten Konzert in Liverpool auf.

Ein tragisches Ende fand der Gitarrist Tommy Bolin. Nur wenige Monate nach der Auflösung starb er nach einem Schwächeanfall am 4. Dezember 1976 im Alter von 25 Jahren. Noch am Abend zuvor hatte er ein Konzert im Vorprogramm von Jeff Beck gegeben. Als Todesursache wurde eine Überdosis Heroin in Verbindung mit Alkohol angegeben.

In den folgenden Jahren widmeten sich die Künstler besonders Soloprojekten. Blackmore konnte mit Rainbow große Erfolge erzielen. Roger Glover arbeitete als Produzent, unter anderem für namhafte Bands wie Judas Priest, Nazareth und Elf. Später veröffentlichte er zwei Soloalben, bevor er sich 1978 ebenfalls Rainbow anschloss. Lord und Paice waren gefragte Live- und Studiomusiker (Gary Moore, Whitesnake, Cozy Powell, Pete York).

1980 versuchte der ehemalige Sänger Rod Evans mit einigen unbekannten Musikern unter dem Namen Deep Purple die Band fortzuführen. Das Projekt scheiterte, da es auf harsche Kritik und breite Ablehnung der Fans stieß. Weil er nicht die Namensrechte hatte, verklagte Warner Bros. die Band, so dass sie sich auflösen musste.

Coverdale gründete Whitesnake, wo sich 1978 auch Jon Lord und wenig später Ian Paice einfanden. Ian Gillan baute zunächst (1975 bis 1978) die „Ian Gillan Band“ auf, die sich am Jazzrock orientierte. 1978 löste Ian Gillan diese Band auf und gründete eine neue Formation die schlicht „Gillan“ hieß und vom Stil wieder rockiger war. 1983 schloss sich Ian Gillan kurzzeitig mit geringem Erfolg Black Sabbath an.

Im Jahr 1984, acht Jahre nach der Auflösung, unternahm der britische Plattenkonzern PolyGram erhebliche Anstrengungen, um Deep Purple in der Mk-II-Besetzung wieder ins Leben zu rufen. Einem Gerücht zufolge sollen jedem Musiker zwei Millionen Dollar angeboten worden sein. Da der Erfolg von Rainbow schwand, Lord und Paice mit der Ausrichtung von Whitesnake nicht mehr zurechtkamen und Gillan bei Black Sabbath „den Hut nehmen musste“, raufte sich die Band zusammen, um Perfect Strangers, ein überraschend frisches Album, aufzunehmen. Das Album enthielt mit prägnanten Riffs („Knocking at Your Back Door“), schnellen instrumentalen Duellen von Blackmore und Lord („A Gypsy’s Kiss“), die bewährten „Deep-Purple-Zutaten“ in leicht modernisiertem Sound, und verkaufte sich gut, ebenso wie die nachfolgende Tournee, bei der die Band im englischen Knebworth gemeinsam mit den Scorpions, Meat Loaf und UFO vor etwa 80.000 Fans spielte. Der Musikexpress konstatierte, dass die Band „auch musikalisch an alte Großtaten anknüpfe“, und die Neue Zürcher Zeitung lobte die „publikumswirksame Bühnenshow“, während der Stern eher eine „laue Altherrenriege“ am Werke sah.

1987 wurde das Album The House of Blue Light eingespielt, auf dem die Band wieder musikalisch risikofreudiger (z. B. auf Strange Ways) sein wollte. Blackmore benutzt hier zum ersten Mal Gitarrensynthesizer, und Paice setzt elektronisches Schlagzeug („The Unwritten Law“) ein. Im Jahr darauf erschienen das Live-Album Nobody’s Perfect und eine neue Version des ersten Hits „Hush“. 1989 wurde Ian Gillan erneut entlassen, weil er mit Blackmore in Streit über die musikalische Ausrichtung geraten war. Nach seiner zweiten Trennung von der Band erklärte er selbst, dass er zukünftig nicht noch einmal bei Deep Purple mitwirken wolle:

„Ich kann an Deep Purple nur noch wie an eine Verflossene denken. Wir heirateten 69 und wurden 73 geschieden. 84 heirateten wir noch mal und ließen uns 89 wieder scheiden. Das mach ich nicht noch mal.“

Für ihn wurde auf Initiative Blackmores hin der frühere Rainbow- und Yngwie-Malmsteen-Sänger Joe Lynn Turner verpflichtet. Damit bestand die Band mehrheitlich (Glover, Blackmore, Turner) aus der letzten festen Rainbow-Besetzung. Es entstand das Album Slaves and Masters, von dem klanglich deutliche Parallelen zu den späten Rainbow gezogen werden können. Allerdings wurde der neue Sänger von den Fans nicht akzeptiert, was einer der Gründe dafür war, dass Turner die Band nach nur einem Album und einer Tour wieder verlassen musste.

Gegen den Widerstand Blackmores wurde Gillan auf Betreiben von Lord, Paice und Glover wieder in die Band geholt, obwohl er sich vorher dagegen ausgesprochen hatte. Damit war es möglich, das folgende Album The Battle Rages On, auf dem sich unter anderem die bekannten Songs „Anya“ und „Solitaire“ finden, erneut in Mk-II-Besetzung einzuspielen. Die Differenzen innerhalb der Band bestanden jedoch weiterhin: Im Anschluss an eine Europa-Tournee zum Album verließ Blackmore am 17. November 1993 nach seinem letzten Auftritt in Helsinki auf eigenen Wunsch die Band, weil er mit Gillans gesanglicher Leistung nicht zufrieden war. In einem späteren Interview erklärte Roger Glover hierzu:

„[…] wir sollten noch in Japan spielen, aber Ritchie wollte das plötzlich nicht. Wir haben dann versucht mit ihm zu reden, ich rief ihn an und sagte: ‚Bitte – bitte spiele diese Gigs mit uns.‘ Er antwortete nur: ‚No!‘ Sonst nichts. Er ließ nicht mit sich reden“. 

Da die Band eine gerichtliche Auseinandersetzung mit dem Veranstalter vermeiden wollte, begab sie sich auf die Suche nach einem kurzfristigen Ersatz. Nach nur drei Tagen Probe half Joe Satriani als Gitarrist für die Tournee aus und sprang auch noch auf einer weiteren Tour durch Europa in der ersten Jahreshälfte 1994 ein. Er wurde gebeten, Blackmore dauerhaft zu ersetzen, konnte wegen seines Plattenvertrages aber nicht bei der Band bleiben.

Morses Einstieg

Obwohl es sich als schwieriges Unterfangen erwies, die Fanbasis von einer neuen Deep-Purple-Besetzung ohne Ritchie Blackmore zu überzeugen, fand man schließlich mit dem Gitarrenvirtuosen Steve Morse (vorher unter anderem bei Kansas und den Dixie Dregs) einen akzeptablen Ersatz. Morses neue Interpretationen des existierenden Blackmore-Materials schufen einen eigenständigen Sound und lösten damit gemischte Gefühle aus. Mit seinem Einstieg fanden seither zahlreiche, aufgrund von Blackmores Weigerung nie oder nur in seltenen Ausnahmefällen live gespielte, weniger bekannte Songs aus den 1970ern Einzug ins Live-Set. Diese sind etwa auf den Alben Live at the Olympia ’96 und Live at Montreux zu hören. In dieser Besetzung spielten Deep Purple 1996 das etwas ruhiger klingende, zum Teil musikalisch neue Wege beschreitende Album Purpendicular ein, über das die Zeitschrift Audio urteilte: „Den britischen Hardrock-Haudegen ist ein feines, über weite Strecken erstaunlich melodiöses Alterswerk gelungen. Purpendicular öffnet nach eher einfallslosen Schema-F-Alben endlich neue Horizonte.“. 1998 folgte in gleicher Besetzung das wieder härtere Studiowerk Abandon.

Deep Purple nach 2000

2001 erkrankte Jon Lord während einer Tournee, so dass die Band kurzzeitig Don Airey für ihn engagierte, der schon mit Ozzy Osbourne, Jethro Tull, Gary Moore und Rainbow gespielt hatte. Im März des folgenden Jahres beschloss Lord seinen Ausstieg bei Deep Purple, um sich einer Solokarriere widmen zu können. Nach den positiven Erfahrungen auf der vorangegangenen Tour verpflichtete man Airey als „hauptamtlichen“ Keyboarder.

In diesem Line-up wurde 2003 das Album Bananas veröffentlicht. Die Aufnahme von Airey wurde von vielen Seiten als Bereicherung aufgefasst, man nahm den „frischen Wind“, den er in die Band und in das Songwriting gebracht habe, sehr wohlwollend auf. Es bietet mit Titeln wie dem an Dire Straits erinnernden „Walk On“, oder dem lateinamerikanisch angehauchten „Doing it Tonight“ nicht nur den gewohnten „Purple-Sound“. Die Hi-Fi-Zeitschrift Stereoplay rezensierte es als „ein herzerfrischend und unkompliziertes, schlackenfreies Rock-Album mit starken Riffs und einem Gesang, der immer noch seinesgleichen in der Szene sucht.“

Deep Purple trat im Rahmen der weltweiten Live-8-Benefizkonzerte am 2. Juli 2005 in Barrie auf. Im Oktober 2005 erschien das Studioalbum Rapture of the Deep. Es folgte eine Welttournee Anfang 2006 (in Deutschland zusammen mit Alice Cooper). Ebenfalls Anfang 2006 erschien die 4-CD-Box Live Across Europe 1993, die zwei komplette Konzerte (Stuttgart und Birmingham, England) der letzten Deep-Purple-Tour in der Mk-II-Besetzung enthält. Im Jahr 2008 jährte sich die Gründung der Band zum vierzigsten Mal.

Im Februar 2008 trat Deep Purple beim 15. Betriebsjubiläum des russischen Energiekonzerns Gazprom auf.

Aktuell befindet sich die Band auf Tournee in Europa. Für 2012 ist ein neues Album in Planung, wie Roger Glover im Interview mit melodie & rhythmus erklärte. Im Zuge dessen wurde im August 2012 die Teilnahme von Deep Purple für das Wacken Open Air 2013 bestätigt.

Am 16. Juli 2012 starb der langjährige Keyboarder und Gründungsmitglied Jon Lord an den Folgen einer Krebserkrankung.

Im Oktober 2012 wurde Deep Purple für die Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame für das Jahr 2013 nominiert.

Jon Lord R.I.P.

Jon Lord 2012

Jonathan Douglas „Jon“ Lord (* 9. Juni 1941 in Leicester, England; † 16. Juli 2012 in London) war ein britischer Musiker, der vor allem als Mitglied der Hardrock-Band Deep Purple bekannt wurde. Lord galt als einer der Wegbereiter der Kombination von Rock mit Klassik.

Jon Lord 1977

Sowohl sein Vater als auch seine Tante waren Performance-Künstler, die ihr Talent als Duo mit einer lokalen Tanzgruppe zur Aufführung brachten. Lords erster aktiver Kontakt zur Musik geschah über das Klavier der Familie, an dem er im Alter von fünf Jahren klassischen Unterricht bekam. Als Teenager beeindruckte ihn zunehmend die musikalische Performance der Jazz-Organisten wie Jimmy Smith und der Pioniere des Rock-’n’-Roll-Pianos wie Jerry Lee Lewis.

Mit neunzehn Jahren nahm Lord zunächst Schauspielunterricht in einer der führenden Dramaturgieschulen Londons. Von der Musik des Swinging London angezogen, begann Lord in diversen Jazz- und Rhythm-and-Blues-Combos zu spielen, überwiegend in kleinen Kneipen und Clubgigs in der Londoner Region. Erste regionale Erfolge konnte er mit der Bill Ashton Combo feiern, einer Jazzgruppe, die sich nach dem Saxofonspieler benannte.

1963 wechselte Jon Lord zu der von Derek Griffiths geleiteten Band Red Blood and his Bluesicians, was ihm ermöglichte, an seine erste elektrische Orgel zu kommen.

Die nächsten Jahre erspielte sich Jon Lord die Fähigkeiten zum Profimusiker. Er trat als Organist den bluesig rockigeren Artwoods bei, deren Bandleader Art Wood der Bruder des späteren Rolling Stone Ron Wood war. Die Artwoods veröffentlichten mehrere Singles und EPs, darunter ein heutiges Sammlerstück, Art Gallery, traten in Fernseh- und Radiosendungen auf und hatten viele Auftritte, schafften jedoch keine Hitparadenplatzierung, so dass sie sich bald wieder auflösten, nachdem ihr letzter Versuch, die Charts unter dem Pseudonym St. Valentine’s Day Massacre zu erreichen, ebenfalls scheiterte.

Art Woods jüngerer Bruder Ron nahm mit Jon Lord schließlich noch drei Instrumentalnummern unter dem Namen Santa Barbara Machine Head auf.

Ganz in der Nähe, ohne Jon Lords Aufmerksamkeit zu erregen, war eine andere Band vergeblich damit beschäftigt, in die Charts zu gelangen: The Flower Pot Men, eher ein Gesangsensemble, das einen psychedelischen Hit hatte und für eine gebuchte Tournee auf Musikersuche war. Die Gruppe fragte Jon Lord, ob er nicht die Band komplettieren wolle. Ebenfalls dabei war ein späteres Deep-Purple-Mitglied: Nick Simper sowie der Schlagzeuger Carlo Little, der bei den Screaming Lord Sutch’s Savages bereits an Ritchie Blackmores Seite spielte.

Kurz darauf kam Jon Lord zusammen mit Nick Simper zur Gründung von Deep Purple. Zwischen 1968 und 1976 galt Deep Purple als eine der populärsten und kreativsten Bands, wobei Jon Lord eine tragende Rolle als virtuoser Hammond-Organist zuteil wurde, der bis zum Jahre 2003 als einziges Mitglied der Band neben dem Schlagzeuger Ian Paice nicht ausgetauscht wurde. Zwischen den Aufnahmen diverser Hardrockalben mit Deep Purple und zahlreichen Welttourneen fand er immer wieder Zeit für Soloprojekte, in denen er Rockmusik mit klassischer Musik verband, zeitweise mit Unterstützung durch Deep Purple für das Concerto for Group and Orchestra (1969) oder in Form von Soloalben, wie Sarabande oder Gemini Suite. Für den Film The Last Rebel schrieb er mit Tony Ashton 1971 die Musik, die von Ashton, Gardner & Dyke eingespielt wurde.

Als sich Deep Purple das erste Mal auflöste (1976), gründete Jon Lord mit dem Purple-Schlagzeuger Ian Paice und Tony Ashton die Band Paice Ashton Lord, die nur ein einziges Album aufnahm, Malice in Wonderland. Nach einer Tournee und den Vorbereitungen für ein weiteres Album, das jedoch nur teilweise aufgenommen und erst vor wenigen Jahren zusammen mit einer Neuauflage von Malice in Wonderland veröffentlicht wurde, gingen Jon Lord und Ian Paice zu David Coverdales Whitesnake.

Während der erfolgreichen Jahre bei Whitesnake gastierte Jon Lord auf diversen Alben von Cozy Powell, Graham Bonnet und vielen anderen, und er nahm ein weiteres Soloalbum auf: Before I Forget.

Schließlich kam 1984 Deep Purples Reformation. Deep Purple erreichte erneut Erfolge, nahm weitere sechs Alben auf und hatte Konzerte auf der ganzen Welt mit fünf verschiedenen Besetzungen.

2002 verließ Jon Lord die Band endgültig. Ersetzt wurde er durch Don Airey. Lords letztes Konzert mit Deep Purple fand am 19. September 2002 in Ipswich (England) statt.

Ein Jahr später war Lord einige Monate in Australien, um einige Konzerte seines vorletzten Soloalbums Pictured Within zu geben, und gab zur allgemeinen Überraschung im Sydney Opera House ein Blueskonzert mit einer lokalen Bluesband, The Hoochie Coochie Men, das auf CD und DVD erschien.

Mit Beyond the Notes, dem 2005 erschienenen Album, zeigt Jon Lord genreübergreifende, eigenwillige Kompositionen. Hier ist auch das von ihm für Frida (ehemals ABBA) geschriebene Stück The Sun Will Shine Again zu finden, mit dem sich die schwedische Sängerin erstmals seit acht Jahren auch wieder live zeigte.

Zuletzt feierten zwei weitere klassische Werke ihre Uraufführung: das Durham Concerto (2007), eine Auftragskomposition der Universität Durham mit dem Royal Liverpool Philharmonic Orchestra, sowie Boom of the Tingling Strings (2008), in Queensland, mit dem Queensland Orchestra.

2011 ging Lord mit dem Jon Lord Blues Project auf Tournee. Am 9. August teilte Lord der Öffentlichkeit mit, dass er an Bauchspeicheldrüsenkrebs leide, und sagte alle Konzerte für das folgende Jahr ab. Am 16. Juli 2012 verstarb er im Alter von 71 Jahren an den Folgen der Krankheit in London.

Jon Lord verkaufte zusammen mit Deep Purple 200 Millionen Alben, mit den unterschiedlichsten Musikstilen, von Jazz über Blues zu R&B, Klassik und Hard Rock. Er komponierte zusammen mit seinen Deep-Purple-Kollegen Songs wie Smoke on the Water, Black Night, Highway Star, Child in Time, Lazy, Fireball, Woman From Tokyo und Burn, die zu Klassikern der Rockmusik avancierten. Lord trat wiederholt mit den verschiedensten Musikern auf: George Harrison, Ringo Starr, Luciano Pavarotti, David Gilmour und Eric Clapton.

Diskographie

Soloalben

  • 1971: Gemini Suite
  • 1974: Windows
  • 1976: Sarabande
  • 1982: Before I Forget
  • 1984: The Country Diary of an Edwardian Lady (Original Motion Picture Soundtrack)
  • 1998: Pictured Within
  • 2004: With Pictures (DVD)
  • 2004: Beyond the Notes
  • 2004: Beyond the Notes (Live DVD)
  • 2008: Durham Concerto
  • 2008: Boom of the Tingling Strings
  • 2010: To Notice Such Things
  • 2011: Live (mit Rousse Philharmonic Orchestra/ CD+DVD)

Mit The Artwoods

  • 1964: Art Gallery
  • 1983: 100 Oxford Street

Mit Deep Purple

  • 1968: Shades of Deep Purple
  • 1969: The Book of Taliesyn
  • 1969: Deep Purple
  • 1970: Concerto for Group and Orchestra
  • 1970: Deep Purple in Rock
  • 1971: Fireball
  • 1972: Machine Head
  • 1972: Made in Japan
  • 1973: Who Do We Think We Are
  • 1974: Burn
  • 1974: Stormbringer
  • 1975: Come Taste the Band
  • 1976: Made in Europe
  • 1977: Last Concert in Japan
  • 1980: Deep Purple in Concert 1970/1972
  • 1984: Perfect Strangers
  • 1987: The House of Blue Light
  • 1988: Nobody’s Perfect
  • 1990: Slaves and Masters
  • 1993: The Battle Rages On
  • 1994: Come Hell or High Water
  • 1995: On the Wings of a Russian Foxbat – Live in California 1976
  • 1996: Purpendicular
  • 1997: Live at the Olympia ’96
  • 1998: Abandon
  • 1999: Total Abandon – Live in Australia ’99
  • 1999: In Concert with the London Symphony Orchestra

Mit Paice, Ashton, Lord

  • 1976: Malice in Wonderland
  • 1992: BBC Radio 1 Live in Concert

Mit The Hoochie Coochie Men

  • 2003: Live at the Basement
  • 2007: Danger: White Men Dancing

Mit Tony Ashton

  • 1974: First of the Big Bands, BBC Radio 1 Live in Concert

Mit Whitesnake

  • 1978: Trouble
  • 1979: Lovehunter
  • 1980: Ready An’ Willing, Live … In the Heart of the City
  • 1981: Come An’ Get It
  • 1982: Saints & Sinners
  • 1984: Slide It In

Mit Jon Lord Blues Project

  • 2011: Live